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Alzheimer neu denken – Warum frühe Diagnose heute wichtiger ist denn je

Diagnostik
Dr. Stögmann im Gespräch mit Uta-Maria Ohndorf

Alzheimer galt lange als eine Erkrankung, gegen die man wenig ausrichten kann. Doch genau dieses Bild verändert sich derzeit grundlegend. In einer neuen Folge von „Dialog Gesundheit“ spricht Uta-Maria Ohndorf mit Prof. Dr. Elisabeth Stögmann, Neurologin und Demenzexpertin an der Medizinischen Universität Wien, über medizinische Durchbrüche, neue Diagnosemöglichkeiten und über notwendige Änderungen im Gesundheits- und Sozialsystem. 

Auf einen Blick:

  • Neue Therapien können den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung erstmals verlangsamen, vorausgesetzt, sie werden früh eingesetzt.

  • Moderne Bluttests eröffnen neue Möglichkeiten der Diagnostik, müssen aber verantwortungsvoll eingesetzt werden.

  • Alzheimer betrifft nicht nur Erkrankte, sondern das ganze familiäre Umfeld.

  • Ein gesunder Lebensstil bleibt die wirksamste Form der Prävention.

Der Wendepunkt in der Alzheimer-Medizin

Über viele Jahre bedeutete die Diagnose Alzheimer vor allem eines: Gewissheit über das Fortschreiten einer Erkrankung, ohne wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Heute verändert sich dieses Bild, denn neue Antikörpertherapien können die für Alzheimer typischen Eiweißablagerungen im Gehirn reduzieren und dadurch den Krankheitsverlauf verlangsamen. Für Prof. Elisabeth Stögmann ist das ein echter medizinischer Meilenstein.

Der entscheidende Faktor dabei ist jedoch der richtige Zeitpunkt. Je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto größer ist die Chance, den Verlauf positiv zu beeinflussen. Damit verändert sich auch die Bedeutung der Diagnostik grundlegend.

Früherkennung mit minimalinvasivem Bluttest

Große Hoffnung ruht derzeit auf einem neuen Bluttest, der bereits vor Ausbruch der Krankheit Hinweise geben kann und somit deutlich früher ausschlägt als alle bisherigen Tests. Dieses Verfahren könnte künftig dabei helfen, Patient:innen schneller an spezialisierte Zentren zu vermitteln und Diagnosen früher zu stellen.

Alzheimer betrifft die ganze Familie

Alzheimer verändert nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch jenes der Angehörigen. Denn häufig sind es die weiblichen Partner:innen oder Kinder, die einen Großteil der Pflege übernehmen – trotz Beruf und eigener Familie. 

Die Folge dessen sind enorme psychische sowie körperliche Belastung. Prof. Stögmann wünscht sich speziell für diese Gruppe eine zentrale Anlaufstelle, die Betroffene und ihre Familien durch das Gesundheitssystem begleitet und ihnen die notwendige Orientierung gibt.

Prävention beginnt lange vor den ersten Symptomen

So unterschiedlich Alzheimer verläuft, die wichtigsten Empfehlungen zur Prävention sind erstaunlich einfach. Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, eine mediterrane Ernährung, die Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes sowie der Verzicht auf Nikotin gehören zu den wirksamsten Schutzfaktoren. Ebenso wichtig ist es, das Gehirn aktiv zu halten – etwa durch Lesen, das Erlernen einer Sprache oder eines Instruments oder durch soziale Kontakte. 

Für Prof. Elisabeth Stögmann ist deshalb klar: Kognitive Gesundheit sollte genauso wie Blutdruck oder Cholesterin künftig selbstverständlich Teil der Vorsorge sein. Denn je früher Veränderungen erkannt werden, desto größer sind die Chancen, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Vor allem aber macht das Gespräch eines deutlich: Alzheimer ist heute nicht mehr die Diagnose, bei der man die Hände in den Schoß legt. Die Forschung entwickelt sich mit beeindruckender Geschwindigkeit, neue Therapien eröffnen Perspektiven und das Wissen über die Erkrankung wächst stetig.

Das verändert nicht nur die Medizin, sondern auch den Blick auf die Menschen, die mit Alzheimer leben. Eine frühe Diagnose bedeutet heute nicht das Ende von Selbstständigkeit oder Lebensqualität. Sie schafft die Möglichkeit, rechtzeitig zu handeln, gemeinsam Entscheidungen zu treffen und wertvolle Zeit bewusst zu gestalten.

Genau das ist die wichtigste Botschaft dieses Gesprächs: Hoffnung entsteht dort, wo Wissen auf Menschlichkeit trifft. Und je früher wir hinschauen, desto größer sind die Chancen, Betroffene und ihre Familien auf diesem Weg gut zu begleiten.

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