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PRAEVENIRE Gesundheitsforum

»Zuhören – Beitragen – Umsetzen«

Von Mag. Michael Moser, Bakk.Komm. | April 2016 | Periskop Ausgabe 68

Unter dem Motto „Zuhören – Beitragen – Umsetzen“ fand von 13. bis 16. April erstmals das PRAEVENIRE Gesundheitsforum im Benediktinerstift Seitenstetten statt. Es war dies die Auftaktveranstaltung zu PRAEVENIRE, einer unabhängigen Initiative zur Nutzung von Potenzialen im österreichischen Gesundheitswesen. Informative Vorträge nationaler und internationaler Experten, spannende Diskussionen sowie die Ausarbeitung konkreter Projektpläne zur Umsetzung in den vier PRAEVENIRE-Partnergemeinden Bruck an der Mur, Haslach, Pöggstall und Satteins standen im Mittelpunkt dieses besonderen Forums.

Beim PRAEVENIRE Gesundheitsforum drehte sich alles um die Themen Gesundheitsförderung und Prävention. In inspirierender Atmosphäre befassten sich Experten mit der Verbesserung der Leistungsfähigkeit des österreichischen Gesundheitssystems. In Vorträgen wurden international bewährte Lösungen vorgestellt, welche daraufhin in Workshops und Podiumsdiskussionen zur Entwicklung konkreter Projektmodelle auf Basis österreichischer Beschlüsse behandelt wurden. Das Ziel der Veranstaltung: von erfolgreichen internationalen Lösungen zu lernen, an Österreich angepasste Modelle zu entwickeln und diese daraufhin mit regionalen Partnergemeinden als Good-Practice-Beispiele umzusetzen.

HVB-Vorsitzende unterstützt den PRAEVENIRE-Gedanken

Eröffnet wurde das PRAEVENIRE Gesundheitsforum durch Petrus Pilsinger, Abt des Benediktinerstifts Seitenstetten, Dr. Armin Fidler, Vorsitzender des PRAEVENIRE-Boards, Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreichs und NÖ Patientenanwalt, Dr. Erwin Rebhandl, Präsident von AM PLUS – Initiative für Allgemeinmedizin und Gesundheit, und Dr. Klaus Schuster, Market Access Director bei Roche Austria (vormals NÖGUS). Moderiert von Benjamin Riedl, PERI Group, stimmten die Redner der feierlichen Eröffnung die Teilnehmer des PRAEVENIRE Gesundheitsforums auf informative, spannende und vor allem arbeitsreiche Tage ein.

Im Anschluss an die Eröffnung folgte als erstes Highlight ein Kamingespräch mit Mag. Ulrike Rabmer-Koller, Vorsitzende des Verbandsvorstandes im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger. Sie zeigte sich von der Idee des Gesundheitsforums begeistert und verwies auf die Notwendigkeit von mehr Effizienz im Gesundheitswesen: „Die Grundidee von PRAEVENIRE ist großartig und ich freue mich, hier mit zahlreichen Entscheidungsträgern und Gesundheitsexperten über die Perspektiven des österreichischen Gesundheitssystems zu diskutieren. Wenn wir einen internationalen Vergleich machen, dann ist die Gesundheitsversorgung bei uns zwar sehr gut, aber auch sehr teuer. Die Relation zwischen In- und Output ist nicht sehr effizient, und das bedeutet, dass wir Innovationen nur mit größten Anstrengungen finanzieren können. Die daraus resultierende Herausforderung ist es deshalb, unser Gesundheitssystem zukunftsfi t zu gestalten, die eingesetzten Mittel zielgerichtet einzusetzen und Kostensteigerungen zu dämpfen, um daraus neue Leistungen bereitstellen zu können.“

Public Health – Förderung des Impfschutzes

Am zweiten Tag standen die Themenblöcke „Public Health – Vaccination“ und „Healthy Ageing – Healthy Lungs“ auf dem Programm. Nach einer Einleitung durch Prof. Dr. Cristian Baeza zu „Public Health“ – unter besonderer Berücksichtigung von Risikofaktoren zur bestehenden Krankheitslast – folgten Impulsvorträge von Prof. Dr. Seppo Meri zum nationalen Impfprogramm in Finnland und Univ.-Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt zum Impfwesen in Österreich. 

Es wurde klar, dass Österreich dem „Musterschüler“ Finnland in diesem Bereich noch deutlich hinterherhinkt – etwa im Bereich der Durchimpfungsraten, der Akzeptanz von Impfungen in der Bevölkerung oder der Erfassung des Impfstatus. Im Anschluss teilten sich die Teilnehmer des PRAEVENIRE Gesundheitsforums in drei Workshop-Gruppen auf, um für die Altersgruppen Kinder & Jugendliche, Erwachsene und Senioren ein Projektmodell zur Umsetzung in der niederösterreichischen Marktgemeinde Pöggstall zu entwickeln. Abgeschlossen wurde der Themenblock durch eine von Dr. Armin Fidler moderierte Podiumsdiskussion.

Lunch-Dialog: Wert von Innovation

Zwischen den beiden Themenblöcken bestritten Mag. Jan Pazourek und Dr. Klaus Schuster einen von Benjamin Riedl moderierten Lunch-Dialog zum Wert von Innovation im Gesundheitswesen. Mag. Jan Pazourek merkte an, dass Steuerzahler für Innovationen oft doppelt bezahlen müssten. Im ersten Schritt werde für die Forschung gezahlt, im zweiten Schritt müsse für das Medikament an sich bezahlt werden. Dr. Klaus Schuster verwies darauf, dass die Kette der Innovation bei der Grundlagenforschung beginne und beim Patienten ende. Außerdem wurde über den Paradigmenwechsel im Bereich der Forschung und Entwicklung infolge personalisierter Medizin und deren Auswirkungen gesprochen.

Gesundes Altern: Fokus Lunge 

Mit einer Einführung in die Thematik startete Univ.-Prof. Dr. Regina Roller-Wirnsberger den zweiten Themenblock „Healthy Ageing – Healthy Lungs“. Als Speaker engagierten sich Prim. Univ.-Prof. Dr. Otto Burghuber, Priv.-Doz. Dr. Valerie Nell-Duxneuner, Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Popp und Prof. Dr. Christian Witt. Auf der Agenda standen Erkrankungen wie COPD und Asthma, seltene Lungenerkrankungen, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Lungengesundheit sowie das Thema Rauchen und Rehabilitation. Die Entwicklung des Projektmodells zur Umsetzung in der oberösterreichischen Gemeinde Haslach erfolgte wiederum in Form von Workshops, die den inhaltlichen Teil des Tages beschlossen. Hierzu wurden die Teilnehmer, analog zum ersten Workshop des Tages, in drei Gruppen aufgeteilt. Moderiert wurde der Themenschwerpunkt von Mag. Hanns Kratzer, Geschäftsführer PERI Consulting.

Psychische Erkrankungen im Fokus

Der dritte Tag stand ganz im Zeichen der Themen „Mental Health – Mental Health & Work“ sowie „Chronic Diseases – Diabetes & Obesity“. Zur Thematik „Mental Health & Work“ erwartete die Teilnehmer des PRAEVENIRE Gesundheitsforums eine Videobotschaft des OECD-Experten Dr. Christopher Prinz. Im Fokus standen Erkenntnisse des OECD-Berichts „Mental Health & Work in Austria“. Die Vorträge wurden von John Bowis, Prim. Dr. Sonja Gobara, Univ.-Prof. Dr. Dipl.-Psych. Michael Linden, Thomas Keck und Dr. Eva Höltl gehalten.

Thematisch befassten sie sich etwa mit der verbesserungswürdigen Situation der Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher in Österreich, der Notwendigkeit zur Schaffung von Bewusstsein zu psychischen Erkrankungen und zum Abbau noch immer vorhandener Stigmata, mit dem Wandel der Arbeitswelt durch die zunehmende Digitalisierung, mit ihren Auswirkungen auf die Gesundheit sowie mit Chancen und Grenzen der betrieblichen Vorsorge. Unter der Moderation von Dr. Armin Fidler wurde der Themenblock in Form einer offenen Podiumsdiskussion zur Entwicklung eines konkreten Projektmodells zur Umsetzung in der steirischen Stadt Bruck an der Mur abgeschlossen. 

Lunch-Dialog: Werte in Gesundheit

Zwischen den beiden Themenblöcken fand ein von Dr. Armin Fidler moderierter Lunch-Dialog zu Werten in der Gesundheit statt. Ao. Univ. Prof. DDr. Matthias Beck, Univ.-Prof. Dr. Walter Berger und Prof. Dr. Reinhard Riedl befassten sich mit „Gesundheit als Schwebezustand“, der nie von Dauer ist, dem ständigen Kampf des Immunsystems gegen Gefahren der Umwelt, der physiologischen, psychologischen und geistigen Ebene des Gesundheitsbegriffs und dem Einfluss von Big Data als Unterstützung für den Gesundheitssektor. Die Diskutanten waren sich einig darüber, dass naturwissenschaftliche Zugänge mit geisteswissenschaftlichen kombiniert werden sollten und – gerade im ruralen Sektor – mehr Akzeptanz von psychischen Erkrankungen geschaffen werden müsse.

Chronische Erkrankungen

Der nächste Themenblock stand im Zeichen von Chronic Diseases. Als Sprecher der Impulsvorträge erwarteten die Teilnehmer Vorträge von Dr. Dorjan Marušic, Univ.- Prof. Dr. Anita Rieder und Dr. Willy Oggier. Im Zentrum standen Erkrankungen wie Diabetes und Übergewicht und deren soziodemographische Zusammenhänge, der Wert der Gesundheitsökonomie und Health Policies zur Prävention chronischer Erkrankungen.

Als Überraschung im Programm fand eine politische Diskussion zur Thematik zwischen dem ehemaligen Gesundheitsminister Großbritanniens, John Bowis, dem ehemaligen Gesundheitsminister Sloweniens, Dr. Dorjan Marušic, dem ehemaligen Gesundheitsminister Ungarns, Dr. Miklós Szócska, und dem gebürtigen Chilenen und Global-Health- Experten Prof. Dr. Cristian Baeza statt. Im Fokus standen Erfahrungen mit der Implementierung von Präventionsmaßnahmen und die Problematik der Finanzierung solcher Programme. Eine Podiumsdiskussion über die Entwicklung des Projektmodells zur Umsetzung in der Vorarlberger Gemeinde Satteins bildete den Abschluss des zweiten Themenblocks. Das Expertengremium der Podiumsdiskussion wurde um Prim. Doz. Dr. Harald Stingl, Prim. Prof. Dr. Karl Lhotta und MR Dr. Wolfgang Zillig erweitert. Moderiert wurde der Themenblock „Chronic Diseases – Diabetes & Obesity“ von Mag. Hanns Kratzer.

Aus der Theorie in die Praxis

Nach Abschluss des PRAEVENIRE Gesundheitsforums in Seitenstetten gilt es nun, die Ergebnisse in Zusammenarbeit mit den jeweiligen PRAEVENIRE-Partnergemeinden Bruck an der Mur, Haslach an der Mühl, Pöggstall und Satteins umzusetzen. Die Erfolgsindikatoren der Umsetzung wurden von Experten und Vertretern der jeweiligen Gemeinde gemeinsam bestimmt. Bei der Maßnahmenumsetzung werden örtliche Vereine, Kindergärten, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Betriebe eingebunden. Kick-off-Veranstaltungen in den einzelnen Gemeinden markieren den Start der Projekttätigkeit. Folgende Maßnahmen sind unter anderem geplant:

  • Das Projekt „Gemeinsam Vorsorgen in Pöggstall“ soll die Bewohner der niederösterreichischen Marktgemeinde motivieren, sich mit Prävention und dem Thema „Familiengesundheit“ sowie den Folgen von Krankheiten zu befassen. Im Rahmen der Aktivitäten wird Impfskepsis aktiv angesprochen. Saisonale Impfkampagnen, eine App für Schulkinder und Aktionen in Betrieben sollen zu einer Steigerung der Gesundheitskompetenz und Durchimpfungsraten in allen Altersgruppen führen. Die Messung erfolgt über Fragebögen und die Erfassung des Status ausgegebener und vorhandener Impfpässe. Ziel ist es, Impfl ücken zu schließen und die Gesundheitskompetenz der Einwohner von Pöggstall zu steigern. 
  • Das PRAEVENIRE-Projekt „Durchatmen in Haslach“ fördert die regelmäßige Bewegung der Einwohner – etwa durch sechsminütige Gehtests und die Ausgabe von Schrittzählern. Mittels Spirometrie-Untersuchungen soll die Bevölkerung hinsichtlich nichtdiagnostizierter Lungenerkrankungen gecheckt werden. Fragebögen zu COPD, Schlafapnoe und Allergien schaffen Bewusstsein und helfen, den Gesundheitsstatus der Bevölkerung zu erfassen. Mittels CO-Tests sollen Fortschritte im Bereich der Raucherentwöhnung für Betroffene sichtbar gemacht werden. Außerdem werden Impfpässe ausgegeben und der Impfstatus innerhalb der Gemeinde wird erhoben. Ziel ist es, etwaige nichtdiagnostizierte Lungenerkrankungen im Sinne der Früherkennung zu entdecken, den Raucheranteil in der Bevölkerung zu senken, die Lungengesundheit zu erhöhen und die Gesundheitskompetenz in den Bereichen Lungengesundheit, Bewegung und Ernährung zu steigern. 
  • Im Fokus des Projekts „Mentale Fitness in Bruck an der Mur“ liegt die Aussage „Ich fühle mich wohl!“. Es umfasst eine Ist-Analyse der Zielgruppen Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene und ihr mentales Wohlbefi nden. Aufbauend auf den Analyseergebnissen gilt es, bestehende Einrichtungen und ihre Akteure zu vernetzen, ein gemeinsames Bewusstsein zur Sichtbarmachung von mentaler Gesundheit in allen gesellschaftlichen Bereichen zu schaffen und etwaige Kooperationslücken zu schließen. 
  • „G’hörig g’sund in Satteins“ hat zum Ziel, die Gesundheit der Einwohner der Vorarlberger Gemeinde durch Maßnahmen in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Entspannung und Bewusstseinsbildung zu fördern. Durch die Ausgabe von FINDRISK-Fragebögen wird die Früherkennung von Diabetes gefördert. Die Beteiligung von Ärzten und ihren Patienten beim Disease-Management-Programm „Therapie Aktiv“ soll erhöht werden. Das Projekt soll u. a. Schulungen, Workshops, Projektwochen an Schulen oder auch die Reaktivierung der Walkinggruppe beinhalten. 

Mehr Informationen zu PRAEVENIRE erhalten Sie unter www.praevenire.at bzw. in der Rubrik „PRAEVENIRE“ auf presse.welldone.at.

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