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Zukunftsforum Onkologie: drei Projekte – ein Ziel

Von Maximilian Kunz, MAS, MBA | Februar 2016 | Periskop Ausgabe 67

Gemeinsam mit der Schweizerischen Botschaft lud Roche Austria am 14. Jänner zur Projektpräsentation des
Zukunftsforums Onkologie in die Residenz der Schweizerischen Botschaft. Im Anschluss an die Begrüßung
durch Botschafter Christoph Bubb folgten eine Zusammenfassung der bisherigen Aktivitäten und die Nominierung jener drei Projekte, die im Rahmen der Initiative Zukunftsforum Onkologie mit Unterstützung von
Roche Austria umgesetzt werden sollen. Mag. Hanns Kratzer, PERI Consulting, führte durch den Abend und
moderierte den angeregten Gedankenaustausch mit einer hochkarätigen Gästeschaft.

Rückblick: Was bisher geschah

Bis Anfang der 2000er-Jahre sind die Inzidenzraten bei Krebs gestiegen. Zeitgleich ist die Mortalität um 26 Prozent gesunken. Demnach gewinnt die laufende Optimierung der Versorgung aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung – die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter – für Patient und System rasant an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wurde auf Initiative von Roche Austria die interdisziplinäre und multiprofessionelle Plattform „Zukunftsforum Onkologie“ ins Leben gerufen, die nicht nur die bisherige Evolution der heimischen Krebsversorgung beobachtet, sondern auch Awareness gegenüber künftigen Herausforderungen schafft und potenzielle Systemoptimierungsmaßnahmen prüft bzw. erarbeitet. Erstmals tagten die Teilnehmer im April 2014 unter der Leitung von Univ.-Prof. DDr. Mag. Matthias Beck, Dr. Thomas Czypionka sowie Dr. Sepp Rieder und tauschten ihre Erkenntnisse anschließend in regelmäßigen Ausschüssen unter den Aspekten Medizin bzw. Ethik, Gesundheitsökonomie und Struktur aus. Ein bedeutender Meilenstein war die Präsentation der bei diesem Prozess erlangten Erkenntnisse in Form des Expertenpapiers „Sechs Chancen für eine patientenorientierte Krebsversorgung in Österreich“, das im August 2015 im Rahmen eines Gipfelgesprächs auf der Schafalm in Alpbach vorgestellt wurde. Die Ausrichtung des Gesprächs zielte auf die Möglichkeiten, das hohe Qualitätsniveau zu halten bzw. zugunsten der Patienten weiterzuentwickeln, ab. Richtungsweisend für Chancenpapier und Diskussion waren drei zentrale Elemente: Der Patient als Individuum soll im Mittelpunkt stehen, die Ressourcenallokation laufend optimiert und die Forschung stetig weiterentwickelt werden. Die sechs Chancen umfassen: Krebs verstehen, Vorsprung durch Fortschritt, Fokus Mensch, Leben 2.0 – Leben mit und nach dem Krebs, Lebensqualität zählt, Vernetzung hilft.

Wiedereingliederung und interdisziplinäre Netzwerke

Der Einladung in die Residenz der Schweizerischen Botschaft folgten zahlreiche Experten. Entsprechend angeregt war die Diskussion, die von Mag. Hanns Kratzer, PERI Consulting, moderiert wurde. Neben der unbedingten Notwendigkeit des interdisziplinären Netzwerkens war Wiedereingliederung dabei ein zentrales Thema.

Drei Projekte, ein Ziel

Mit dem Ziel, die Situation im Bereich der onkologischen Versorgung weiterzuentwickeln, wurden die Mitwirkenden des Zukunftsforums Onkologie, die Teilnehmer des Gipfelgesprächs sowie alle Interessierten (über einen Aufruf in der letzten PERISKOP-Ausgabe) dazu aufgefordert, Ideen und Vorschläge, die zu einer Optimierung im Sinne des Gesamtprozesses beitragen, einzureichen. In nur wenigen Wochen konnten zahlreiche Ideen gesammelt und den sechs definierten Chancen zugeordnet werden. Roche Austria wählte aus den eingelangten Ideen drei besonders hervorstechende aus und evaluiert die Umsetzung dieser in einem weiteren Schritt.

  • Das erste Projekt ist der ersten Chance im Chancenpapier, „Krebs verstehen“, zuzuordnen. Dabei handelt es sich um ein Projekt auf regionaler Ebene, das sich mit Themenkreisen rund um Health Literacy sowie der Vermittlung von qualitativ hochwertigem Wissen beschäftigt und zudem die Ausarbeitung von Informationsaustausch- und Awareness-Kampagnen fördern soll.
  • Das zweite Projekt widmet sich der vierten Chance aus dem Chancenpapier, „Leben 2.0 – Leben mit und nach dem Krebs“. Ebenfalls auf regionaler Ebene beschäftigt es sich mit der Wiedereingliederung nach einer Erkrankung sowie effizienter Rehabilitation und Nachsorge. Hier gibt es bereits ganz konkrete Gespräche mit Roche zur Unterstützung einer entsprechenden Initiative in Oberösterreich. 
  • Beim dritten Projekt – es widmet sich der sechsten Chance, „Vernetzung hilft“ – geht es um den Einsatz moderner Telekommunikationsmittel. Themen wie Big Data und transdisziplinäre Forschung sind in diesem Zusammenhang längst nicht mehr wegzudenken und werden künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Hier kann Roche umfassendes Know-how sowie bereits in der Vergangenheit gestartete konkrete regionale Initiativen einbringen und so entscheidend zur Umsetzung künftiger Projekte beitragen.

„In schwierigen Situationen besteht die Gefahr, dass sich Betroffene zurückziehen und es dadurch für sie noch schlimmer wird. Auch wenn gerade wir in der Forschung dem oft nicht genug Aufmerksamkeit schenken: Eine ganzheitliche Therapie ist essenziell! In der Forschung muss der Grad der Interdisziplinarität dringend ausgebaut werden – einerseits in Form der Vernetzung untereinander, andererseits, um das weltweit vorhandene Datenvolumen und damit das Wissen daraus gewinnbringender nutzen zu können.“ Univ.-Prof. Dr. Walter Berger Institut für Krebsforschung an der MedUni Wien

„Die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen mit unterschiedlicher Wertehaltung ist in der Praxis schwierig, aber entscheidend für die Optimierung der Behandlung für die Menschen. Der Gewinn durch die zusätzlichen Informationen durch Big Data birgt ausgesprochen viel Potenzial in sich. In diesem Zusammenhang ist es dringend notwendig, dieses Potenzial unter Wahrung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Menschen umfassend zu nützen.“ Prof. Dr. Reinhard Riedl wissenschaftlicher Leiter des Fachbereichs Wirtschaft der FH Bern, Schweiz

„Im Rahmen der modernen Medizin wird für den Menschen als Einzelpersönlichkeit Big Data immer entscheidender. Der Mensch liefert Labor- und andere Daten, messbare Daten. All diese zu analysieren und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen ist die Herausforderung, die über Big Data angegangen werden kann und muss. Dafür bedarf es zahlreicher Spezialisten. In Bezug auf interdisziplinäre Zusammenarbeit ist Onkologie ein gutes Beispiel dafür, wie dadurch gute Ergebnisse für den Patienten erzielbar sind.“ Univ.-Prof. Dr. Rudolf Mallinger Karl Landsteiner University of Health Sciences, Krems

„Sich in die Denkweise einer anderen Disziplin hineinzuversetzen ist eine Herausforderung. Ein gutes Beispiel dafür, wie man mit dieser Herausforderung umgehen kann, zeigt das Vienna Biocenter. Hier treffen Grundlagenforschung und technische Bereiche zusammen und liefern eindrucksvolle Ergebnisse. Das Zukunftsforum Onkologie ist ein gutes Beispiel für eine Wechselbeziehung von Pharmaindustrie, Forschung und Praxis zum Wohle der Patienten.“ Dr. Sepp Rieder Leiter des Arbeitsausschusses Struktur des Zukunftsforums Onkologie

„Wiedereingliederung nach einer Krebserkrankung ist sehr umfangreich. Sie muss aber das Ziel für die Patienten sein, denn Krebs wird durch die Möglichkeiten moderner Onkologie immer mehr zu einer chronischen Erkrankung. Die dafür notwendige Rehabilitation bedeutet heute nicht nur mehr Lymphdrainage, sondern ist eine Verschränkung von Mobilisierung, Aktivierung, Training und Information, wodurch die Patientinnen und Patienten befähigt werden sollen, möglichst rasch und sicher am Sozialbzw. Berufsleben wieder teilhaben zu können. Gerade „return to work“ wird dabei ein immer wichtigeres Thema in unseren Forschungsbemühungen.“ Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna Ambulanz für Onkologische Rehabilitation, Medizinische Universität Wien/AKH

„Wir bieten unseren Patienten seit Jahren Kurse zur Mobilisierung und zum Training an (wie z. B. den Qigong-Kurs im Wilhelminenspital), die sehr gut angenommen werden. Ich weiß aber, dass es oft schwierig ist, die Menschen für derartige Aktivitäten zu begeistern. Zudem gehört das Bewusstsein für Krebsvorsorge und Vorsorgeuntersuchungen gestärkt. Bei den 45–55-Jährigen – und da insbesondere Frauen – muss man sagen, dass diese kaum Chancen haben, wieder ins Berufsleben zurückzukehren.“ Helga Thurnher Selbsthilfe Darmkrebs www.selbsthilfe-darmkrebs.at

„Bisher wurde immer der Patient beleuchtet, doch man muss weiter über den Tellerrand blicken: Auch das individuelle Umfeld braucht Beachtung. Eine wichtige Rolle nehmen etwa Arbeitgeber ein. Große Unternehmen haben hier die Möglichkeit, ihre Mitarbeitenden in unterschiedlichen Bereichen zu unterstützen, sei es durch Vorsorgemaßnahmen, sei es im Rahmen einer Wiedereingliederung nach einer Krebserkrankung. Das Thema Wiedereingliederung birgt sicherlich enormes Potenzial in sich.“ Dr. Wolfram Schmidt Roche Austria GmbH

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