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GEORG: 

OnkoReha interdisziplinär & multiprofessionell 2016

Von Maximilian Kunz, MAS, MBA | Februar 2016 | Periskop Ausgabe 67

Die Gesellschaft zur Erforschung onkologischer rehabilitativer Grundlagen (GEORG) ist ein gemeinnütziger, länderübergreifend wirkender Verein mit der Zielsetzung, die Themen onkologische Rehabilitation sowie Nebenwirkungsmanagement und supportive Therapien in Wissenschaft, klinischer Praxis und Lehre zu forcieren – und dies interdisziplinär und multiprofessionell. In diesem Kontext fand am 22. Jänner der erste GEORG-Kongress unter dem Motto „OnkoReha interdisziplinär & multiprofessionell 2016“ statt. Das PERISKOP sprach mit Vereinspräsident Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna – gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Christoph Wiltschke – von der MedUni Wien über onkologische Rehabilitation in Österreich, die Vereinsziele und den ersten GEORG-Kongress.

P: Wie steht es um die onkologische Rehabilitation in Österreich?

Crevenna: Hierzulande ist seit einigen Jahren das Angebot der stationären onkologischen Rehabilitation etabliert. Der typische Patient für eine stationäre onkologische Rehabilitation kommt innerhalb von fünf Jahren seit der Erstdiagnose und hat, zumindest vorerst, abgeschlossene onkologische Therapien sowie ein gutes Rehabilitationspotenzial, eine gute Rehabilitationsfähigkeit und eine gute Rehabilitationsprognose. Entsprechend seinen Funktionsdefiziten – physisch, mental, sozial – werden individuelle Ziele definiert und umgesetzt. Die Module der onkologischen Rehabilitation sind die physikalische Medizin und Rehabilitation, und hier vor allem die medizinische Trainingstherapie. Weitere Module sind die Diätologie und Ernährungstherapie sowie die Psychoonkologie. Den vierten Part stellt die Information der Patienten dar, welche v. a. die Nachhaltigkeit der Maßnahmen sichern soll. Die stationäre onkologische Rehabilitation in Österreich entwickelt sich sehr zufriedenstellend, wie auch der Kongress im Jänner 2016 zeigen konnte. Anders die ambulante onkologische Reha, die in Österreich bisher kaum existiert. Doch auch diese werden wir brauchen. Gewisse Menschen mit bestimmten Lebenssituationen – denken Sie etwa an Eltern mit Kindern oder Unternehmer im KMU-Bereich – würden davon enorm profitieren.

Das starke Commitment der mitwirkenden Akteure zeigt uns, wie wichtig unsere Anliegen sind.

P: Wie ist die Geschichte von GEORG und wie kam es zur Gründung des Vereins?

Crevenna: Schon die ÖARP, quasi eine Vorgängervereinigung von GEORG, hatte das Ziel, Bewusstsein gegenüber der onkologischen Reha in Österreich zu schaffen und organisierte entsprechende Kongresse. Viele Argumente sprachen schließlich für die Gründung von GEORG. Zielsetzung des Vorstands war es hier von Anfang an, den Verein möglichst landesweit zu organisieren. Das kommt auch in der Zusammensetzung des Vorstands wie des wissenschaftlichen Beirats zum Ausdruck. Hier ist es gelungen, einige der wichtigsten Meinungsbildner Österreichs, darunter etwa Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski, Univ.- Prof. Dr. Michael Gnant, Univ.-Prof. Dr. Christine Marosi, Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Geissler, Univ.-Prof. Dr. Heinz Kölbl, Univ.-Prof. Dr. Richard Pötter, Univ.-Prof. Dr. Michael Micksche und Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke – um nur einige zu nennen –, zu vereinen. Das starke Commitment der mitwirkenden Akteure zeigt uns, wie wichtig unsere Anliegen sind. Für die Bewerbung unseres Kongresses ist dieses Engagement sehr hilfreich. In dieser Konstellation haben wir von Wien aus das Möglichste getan, um den ersten GEORG- Kongress zu einem erfolgreichen Start zu verhelfen.

P: Am 22. Jänner fand der erste GEORG-Kongress in der Gesellschaft der Ärzte Wiens im traditionsreichen Billrothhaus statt. Ihr Resümee?

Crevenna: Der Startschuss ist gut gelungen. Wir hatten rund 150 Besucher. Das wollen wir im kommenden Jahr noch toppen. Entsprechend groß sind meine bzw. unsere Bemühungen, weitere Experten für unsere Anliegen zu gewinnen. Auch für uns bekommt translationale Forschung immer mehr Bedeutung. Diese wird zu Recht zunehmend gefordert. Demnach muss klinische Praxis den Ursprung in der Grundlagenforschung haben. Anderenfalls würden wir ja ohne Vorliegen einer entsprechenden Basis praktizieren. Zwar ist dieser Prozess heute Standard – dennoch dauert es oft viele Jahre, bis Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung ihren Weg in die klinische Praxis finden.

P: Welche Ziele verfolgt GEORG außerdem und in welche Richtung geht die Zukunft?

Crevenna: Unsere wichtigste Aufgabe sehen wir in der Vernetzung relevanter und themenspezifischer Experten aus den Bereichen Forschung, Palliativmedizin und Rehabilitation auf nationaler und internationaler Ebene. In diesem Zusammenhang möchte ich anmerken, dass zwischen Reha und Palliativmedizin relativ viele Gemeinsamkeiten bestehen. Gerade im Bereich der Palliativmedizin hat sich in der Vergangenheit viel getan. Heute ermöglicht sie ein besseres Leben während des letzten Lebensabschnitts. Gleichermaßen relevant für Palliativmedizin und Rehabilitation ist typischerweise der Teamgedanke. Auch in der Reha sind die Ziele großteils anders als in der Akutmedizin definiert. Es geht ja eher um die bestmögliche Wiederherstellung eines erreichbaren (Funktions-) Niveaus – und nicht um die Heilung einer Erkrankung. Ähnlich verhält es sich in der Palliativmedizin, wo es letztlich um das Management der Lebensqualität und der Krankheitsfolgen geht.

Der nächste GEORG-Kongress findet am 20. Jänner 2017 statt.

Im kommenden Jahr wollen wir zusätzlich auch Betroffene in Bezug auf deren individuelle Bedürfnisse zu Wort kommen lassen. Vor diesem Hintergrund wird die Rückkehr ins Berufsleben („return to work“, Stichwort „Arbeitsmedizin“), insbesondere bei jungen Menschen mit Krebs, ein Schwerpunkt sein. Auch Erwachsene, die als Kinder und Jugendliche eine Krebserkrankung hatten, sollen stärker in den Mittelpunkt rücken. Zudem wollen wir die Entwicklungen in und mit einzelnen Reha-Zentren beleuchten. Da gibt es einige nennenswerte Beiträge: Am onkologischen Reha-Zentrum in St. Veit im Pongau etwa werden Therapieerfolge mittels eines Online-Systems erfasst. Gezielte Vorträge zu den einzelnen Interventionen wie Sport- und Trainingstherapie werden das Programm ergänzen. Auch Meinungsbildner aus dem Ausland sollen künftig stärker in unsere Aktivitäten eingebunden werden.

Referentenliste des 1. GEORG-Kongresses:

Ass.-Prof. Dr. Leo Auerbach, Univ.-Klinik für Frauenheilkunde, MUW
Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna, MSc, MBA, Univ.-Klinik für PM & R, MUW
Ass.-Prof. Dr. Daniela Dörfler, Univ.-Klinik für Frauenheilkunde, MUW
Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Thomas Dorner, MPH, Institut für Sozialmedizin, MUW
Natalija Frank, MPH, Comprehensive Cancer Center, MUW
Prim. Prof. Dr. Dietmar Geissler, 1. Med. Abteilung, Klinikum Klagenfurt am Wörthersee
Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Univ.-Klinik für Chirurgie, MUW
Assoc.-Prof. Dr. Werner Haslik, MBA, Univ.-Klinik für Chirurgie, MUW
Prim. Dr. Marco Hassler, Der Sonnberghof, Bad Sauerbrunn
Univ.-Prof. Dr. Bernhard Holzner, Onkologische Rehabilitation, St. Veit im Pongau
Elisabeth Hütterer, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, MUW
Univ.-Prof. Dr. Franz Kainberger, Univ.-Klinik für Radiologie & Nuklearmedizin, MUW
Dr. Lukas Kalcsics-Gallei, Physikalische Medizin und Rehabilitation, BGKK
Dr. Mohammad Keilani, MSc, Univ.-Klinik für PM & R, MUW
Ass.-Prof. Mag. Kathrin Kirchheiner, PhD, Univ.-Klinik für Strahlentherapie, MUW
Univ.-Prof. Dr. Heinz Kölbl, Univ.-Klinik für Frauenheilkunde, MUW
Prim. Univ.-Prof. Dr. Thomas Licht, Onkologische Rehabilitation, St. Veit im Pongau
Prim. Dr. Bruno Mähr, Therapiezentrum Rosalienhof, Bad Tatzmannsdorf
Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Markus Margreiter, Univ.-Klinik für Urologie, MUW
Univ.-Prof. Dr. Christine Marosi, Univ.- Klinik für Innere Medizin I, MUW
Univ.-Prof. Dr. Michael Micksche, Krebshilfe, Institut für Krebsforschung, MUW
Prim. Dr. Elisabeth Pittermann-Höcker, Hanusch-Krankenhaus, Wien
Univ.-Prof. Dr. Richard Pötter, Univ.-Klinik für Strahlentherapie, MUW
Ärztl. Dir. Stv. Prof. Dr. Wolfgang Schaden, AUVA, Wien
Priv.-Doz. Dr. Beate Schrank, MSc, MUW
Ass.-Prof. Dr. Klaus Schrögendorfer, MBA, Univ.-Klinik für Chirurgie, MUW
Mag. Gaby Sonnbichler, Krebshilfe Wien
Dr. phil. Gabriele Traun-Vogt, Psychotherapeutin SF, Psychoonkologin, Wien
Univ.-Prof. Dr. Herbert Watzke, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, MUW
Univ.-Prof. Dr. Christoph Wiltschke, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, MUW
Univ.-Prof. Dr. Michael Wolzt, Univ.-Klinik für Klinische Pharmakologie, MUW
Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Zielinski, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, MUW

BioBox:

Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna absolvierte sein Medizinstudium an der Medizinischen Fakultät der Universität Graz. 2004 habilitierte er an der Medizinischen Universität Wien mit einem Thema zur Onkologischen Rehabilitation im Fach Physikalische Medizin. Crevenna ist MBA (Health Care Management) und MSc (interdisziplinäre Schmerzmedizin, Algesiologie), weiters Zusatzfacharzt für Geriatrie und macht aktuell eine arbeitsmedizinische Ausbildung, um der Thematik „return to work“ in der onkologischen Rehabilitation zusätzliche Impulse zu geben. Seit 2014 ist er interim. Leiter der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Medizinischen Universität Wien. Darüber hinaus ist Crevenna Buchautor, Block- und Linekoordinator sowie Mentor an der Medizinischen Universität Wien.

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