Medienmitteilung

Wien, 19.10.2015

48. Welldone Lounge – Ein Abend im Zeichen der Patientensicherheit

Die 48. Welldone Lounge fand am 12. Oktober in der Österreichischen Nationalbibliothek statt und stand ganz im Zeichen der Plattform Patientensicherheit sowie den mit dem Verein verbundenen Anliegen und Interessen.

Eröffnet wurde der Abend durch einen Impuls von Justizminister Dr. Wolfgang Brandstetter, der -bedingt durch einen dringenden Termin - via Videobotschaft übertragen wurde. Im Anschluss an die Verleihung des Patient Safety Award boten unterschiedliche Stationen den Besuchern die Möglichkeit, aktiv mitzuwirken und sich auf interaktive Weise zum Thema Hygiene und Patientensicherheit zu informieren.

Justizminister Dr. Brandstetter bedauerte, der 48. Welldone Lounge zum Thema Sicherheit nicht persönlich beiwohnen zu können, betonte aber die Bedeutung von Patientensicherheit mittels Videobotschaft: "Jeder von uns wird im Laufe seines Lebens wahrscheinlich auch einmal Patient sein. Als solcher ist man schwach und das Recht ist für die Schwächeren da, damit diese ihre Interessen auch wirklich ausreichend durchsetzen können. Daher ist Patientensicherheit ein besonderes Anliegen für Recht und Justiz. Das Medizinrecht wurde in den letzten Jahrzehnten zu einem speziellen Bereich der Jurisprudenz. Es gibt einiges, das wir in Zukunft vorhaben, um eben diesen Bereich zu stärken. So wollen wir etwa einige Änderungen im Bereich des Sachwalterrechts vornehmen. Zudem wollen wir Patiententestamente und Vorsorgevollmachten unterstützen und fördern. Ich denke das ist notwendig und wichtig, um klarzumachen, dass jemand - insbesondere gegen Lebensende - besondere Hilfe und besonderen Schutz braucht. Ich nütze diese Gelegenheit um nochmals zu betonen, dass wir keinen Änderungsbedarf bei den rechtlichen Bestimmungen zum Schutz des Lebens - gerade gegen Lebensende - sehen. Ich denke es ist in Österreich gut wie es ist und das soll so bleiben. Dennoch ist es wichtig, Patienten in ihren Rechten zu stärken und von rechtlicher Seite die nötige Unterstützung zu leisten", so Justizminister Dr. Brandstetter.

Patientensicherheit steht ganz oben

"Bei etwa jedem zehnten Krankenhausaufenthalt kommt es zu einem unerwünschten Ereignis, bei dem die Patienten Schaden erleiden können. Das lässt sich auch mit den besten Vorkehrungen nicht ganz vermeiden. Sowohl Mitarbeiter als auch Patienten können dazu beitragen, die Sicherheit zu erhöhen. Statt einer ´Blame and Shame´-Kultur, bei der im Schadensfall nach Schuldigen gesucht wird, wollen wir hin zu einer Kultur des gemeinsamen Lernens. Unser Ziel ist es zu zeigen, was von den Gesundheitsberufen bereits geleistet wird, um die Patienten bestmöglich zu schützen. Es geht aber auch darum Bewusstsein dafür zu schaffen, was jeder Einzelne zur eigenen Sicherheit beitragen kann", bestätigt Dr. Brigitte Ettl, Präsidentin der Plattform Patientensicherheit und Ärztliche Direktorin im Krankenhaus Hietzing, die Anliegen der Plattform.

Stationen mit Videodolmetscheranwendung und Didaktobox

Im Rahmen des Abends hatten Besucher die Möglichkeit, sich selbst von der Notwendigkeit der Initiative Plattform Patientensicherheit zu überzeugen, was in Form unterschiedlicher Stationen dargestellt wurde. So wurde in der Nationalbibliothek etwa eine Didaktobox installiert. Diese zeigt mit Hilfe von UV-Licht auf, wie viele Bakterien sich auf der Handfläche befinden und folglich, was Hygiene bedeutet und wie man richtig Hände wäscht. Zudem hatten die Gäste die Möglichkeit, das kürzlich ins Leben gerufene Gebärdendolmetsch-Service für Gehörlose auszuprobieren: "Nicht alle in Österreich lebenden Menschen haben den gleichen Zugang zu Gesundheitsleistungen und Angeboten der Gesundheitsförderung. Hier tragen vielfältige Barrieren maßgeblich zur eingeschränkten Nutzung von Ressourcen und der Teilhabe am Gesundheitssystem bei. In diesem Zusammenhang stellen besonders Sprach- und Verständigungsbarrieren einen wesentlichen Faktor dar, welche u.a. dazu führen, dass bei vielen Vorsorgemaßnahmen gehörlose Menschen nicht umfassend über ihre Möglichkeiten zur Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit und gesundheitlichen Versorgung informiert und aufgeklärt werden können. Daher werden Gesundheitsangebote von gehörlosen Menschen weit weniger häufig genutzt. Bereits 2013 hat die Plattform Patientensicherheit mit Unterstützung des Bundesministerium für Gesundheit sowie zahlreicher Krankenanstaltenträger und dem ServiceCenter ÖGS.barrierefrei das erste österreichische Pilotprojekt zum Thema "Videodolmetschen im Gesundheitswesen und in der Gesundheitsvorsorge" durchgeführt. Das Projekt zeigte klar, dass die Etablierung von Videodolmetschen die Behandlungsqualität erhöht und auch eine wichtige Unterstützung des Gesundheitspersonals darstellt. Die Erhöhung der Patienten- und Mitarbeitersicherheit konnte durch den Einsatz von Videodolmetschen somit wesentlich erhöht werden", führt Dr. Maria Kletecka-Pulker, Geschäftsführerin der Plattform Patientensicherheit, zum Projekt aus.

Gewinner des Patient Safety Award

Der Rahmen wurde auch dazu genutzt, die Preisträger des Patient Safety Award - einem Preis der von der Plattform Patientensicherheit initiiert und heuer bereits zum zweiten Mal verliehen wurde -vorzustellen. Der Preis wird für innovative Leistungen zur Erhöhung von Patientensicherheit und Qualität in Gesundheitseinrichtungen vergeben. Ziel ist es, hervorragende Projekte der Öffentlichkeit zu präsentieren und damit für das Thema zu sensibilisieren. Die Gewinner des 2. Patient Safety Awards sind:

  • Kategorie Simulation: Fokus Geburtshilfe: Interdisziplinäres Teamtraining zur Versorgung von Müttern und Kindern während geburtshilflicher Notfallsituationen Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Bernhard Rössler, MIH (AKH Wien) und Univ.-Prof. Dr. Dagmar Bancher-Todesca (AKH Wien) sowie
    Aufbau eines Trainingszentrums für simulationsbasiertes Crisis Resource Management Training in der Medizin Prim. Dr. Helmut Trimmel, Msc (Landesklinikum Wiener Neustadt)
  • Kategorie Hygiene: Vermeidung postoperativer Wundinfektionen bei Sectio Caeserea (Kaiserschnitt) im Konventhospital der Barmherzigen Brüder Linz - Ein umfassender und interdisziplinärer Ansatz OA Priv. Doz. Dr. Benjamin Dieplinger (Konventhospital der Barmherzigen Brüder Linz) sowie Multiresistente Krankheitserreger - Herausforderung angenommen! Prim. Dr. Gerald Pichler, MSc und Hygienefachkraft DGKP Christian Pux (Geriatrische Gesundheitszentren der Stadt Graz)
  • Kategorie CIRS: Risikomanagement/CIRS - Neue Wege in der CIRS Meldungsbearbeitung DI Daniela Waltritsch, BSc und StPfl. Volker Hübl, MSc (Schwarzenberg´sches Krankenhaus Betriebsgesell. mbH)
  • Anerkennungspreis: Pharmazeutisch/medizinischer Medikationscheck bei der Problempatientin mit Polymedikation in der Ordination Dr. Martina Wölfl und Mag. Martina Anditsch (Wölfl Internistisches Zentrum Brigittenau OG)

Unterstützt wurde die Preisverleihung u.a. von der VAMED AG, die durch Vorstandsmitglied Mag. Gottfried Koos vertreten war: "Für die VAMED als führenden internationalen Gesundheitsdienstleister steht die Gewährleistung von Patientensicherheit an vorderster Stelle bei allen Maßnahmen und Projekten in den Bereichen Prävention, Akutversorgung, Rehabilitation und Pflege. Die Patientensicherheit ist dabei ein Resultat aus der Kompetenz bei Planung, Ablauforganisation und Prozessmanagement von Gesundheitseinrichtungen. Besonderes Augenmerk gilt der laufenden Sicherung des hohen Qualitätsniveaus im täglichen Zusammenspiel zwischen den Mitarbeitern und den Patienten durch bewusstseinsbildende Schulungsprogramme und klare Kommunikation. Entsprechend dem "we care" Prinzip fördert die VAMED durch ihr International Medical Board auch ganz gezielt den internationalen Erfahrungsausstauch und die Umsetzung von Best Practice Lösungen im Bereich Patientensicherheit", so Koos.

Auch Dr. Klaus Schuster, Market Access Director von Roche Österreich - ebenfalls Unterstützer des Projekts, betonte die Notwendigkeit zu mehr Awareness in diesem Bereich: "Für Roche als Arzneimittelhersteller ist Patientensicherheit oberstes Gebot - das heißt, Medikamente müssen wirksam und sicher sein. Dafür tragen wir einerseits durch umfangreiche Studien Sorge, andererseits indem wir unsere hochsensiblen Medikamente als Originalhersteller direkt und lückenlos kontrolliert an Apotheken und Krankenhäuser liefern. Durch unsere Unterstützung bei der Verleihung des zweiten Austrian Patient Safety Awards möchten wir die Sicherheitskultur im Sinne der Patienten weiter fördern", so Schuster.

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