Burden of rheumatoide Arthritis

Von Maximilian Kunz, MAS, MBA | Oktober 2015 | Periskop Ausgabe 65

Chronische Leiden wie die Autoimmunerkrankung rheumatoide Arthritis können jeden treffen. Erste Schübe können schon in jungen Jahren auftreten und werden nur selten frühzeitig erkannt. In Österreich sind bis zu 80.000 Menschen betroffen. Eine von Roche initiierte Expertenrunde fand im Juli in Graz mit dem Ziel zusammen, Awareness für die chronische Gelenksentzündung zu schaffen. Vor diesem Hintergrund wurde das bestehende Therapieangebot evaluiert. Zudem wurden die aktuellen Entwicklungen aufgezeigt und Konzepte zur Optimierung der landesweiten Patientenversorgung diskutiert.

Prim. Dr. Reinhold PONGRATZ

Alleine in der Steiermark sind etwa 12.000 Menschen – mehrheitlich im Alter zwischen 45 und 64 Jahren – betroffen. Treffen kann es aber jeden – unabhängig von Alter und Geschlecht. Bleibt eine entsprechende Therapie aus, so ist Invalidität die Folge. Das geht nicht nur mit persönlichem Leid, sondern auch mit einer volkswirtschaftlichen Belastung – etwa in Form von Krankenstand oder Frühpensionierung – einher. Nicht zu vergessen sind diverse Begleitkrankheiten wie Infektions- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem nehmen Mobilität und Koordinationsfähigkeit im Krankheitsverlauf stark ab. Je eher also die Diagnose gestellt werden kann, desto breiter ist das potenzielle Behandlungsspektrum. Eine effiziente Basistherapie für alle Patienten mit dem Ziel der Eindämmung der Krankheitsaktivität muss daher oberste Priorität haben. In diesem Rahmen bedarf es neben der passenden Medikation, welche die Schmerzen lindert und die Lebensqualität steigert, auch einer gut informierten und geschulten Ärzteschaft. Trotz einer Verbesserung in den letzten Jahren ist zusätzliches Engagement erforderlich. 

Dr. Anna VAVROVSKY

Aus gesundheitsökonomischer Sicht ist Früherkennung fundamental. In einer Untersuchung haben wir gerade die Zahl der Neuerkrankungen an rheumatoider Arthritis mit der Anzahl niedergelassener Allgemeinmediziner verglichen. Demnach sieht jeder Allgemeinmediziner durchschnittlich 0,4 Patienten mit neu zu diagnostizierender rheumatoider Arthritis pro Jahr. Die Diagnosestellung ist oft keine einfache und erfordert spezialisierte Kenntnisse, weswegen es gute Ansätze wie die Früh-Arthritis-Sprechstunden gibt. Hier kann der Rheumatologe innerhalb weniger Minuten erkennen, ob es sich um eine entzündliche oder nichtentzündliche Form der Erkrankung handelt. Bei entzündlichen Formen ist der frühzeitige Therapiebeginn für den Erhalt der Arbeitsfähigkeit unabdingbar. Wir schätzen, dass 15 Jahre nach Diagnosestellung nur noch jeder dritte Patient in der Lage ist, einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen. Die Früh-Arthritis-Sprechstunde ist daher im intra- wie im extramuralen Bereich in höchstem Maße kosteneffektiv. Leider ist sie in Österreich nicht flächendeckend verfügbar, es zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Im Alter zwischen 45 und 64 Jahren – also am Gipfel der Erwerbstätigkeit – finden die meisten Erstmanifestationen statt, was die Frage nach der Vereinbarkeit mit dem Arbeitsplatz zu einer so wichtigen macht. Aus großen internationalen Studien wissen wir zudem, dass die Arbeitsfähigkeit entscheidenden Einfluss auf die Lebensqualität hat. Wenn der Patient am Erwerbsprozess teilnimmt, ist seine subjektive Gesundheitswahrnehmung deutlich höher.

Univ.-Prof. Dr. Winfried GRANINGER

Die Belastung durch die rheumatoide Arthritis ist noch immer groß: sowohl für die betroffene Patientin, die um ihre Lebensqualität in der Zukunft bangt, als auch für die kostentragende Solidargemeinschaft der Sozialversicherten. Die pharmakologische Revolution der letzten Jahrzehnte hat mit der konsequenten Einhaltung der zielorientierten Behandlungsstrategien („treat to target“) und mit der Etablierung effizienter Immuntherapien von Methotrexat bis hin zu den so genannten Biologika einen Umbruch in der Schmerzbekämpfung, in der Entzündungshemmung und in der Vermeidung von Skelettdestruktionen gebracht. Die im Krankheitsverlauf möglichst frühe Sicherung der Diagnose ist die wichtigste Voraussetzung, um spätere anatomische und funktionelle Schäden durch die aggressive Gelenksinnenhautentzündung zu bremsen. Dazu gehört auch eine umfassende Betreuung der ganzen Patientin im Hinblick auf die psychosoziale Bewältigung der ja immer noch unheilbaren Erkrankung. Neue Konzepte wie die „rheumatologic health professionals“ vulgo Rheumaschwestern ermöglichen durch die Spezialausbildung eine optimierte medizinische Betreuung. Die Grundlagenforschung macht weitere Fortschritte möglich – aber die Achtsamkeit hinsichtlich der Diagnose bleibt Aufgabe des gut ausgebildeten Allgemeinmediziners.

Dr. Reinhard GLEHR

Bei der hausärztlichen Diagnostik der rheumatoiden Arthritis hat sich aus meiner Sicht – insbesondere durch die „Arznei und Vernunft Initiative 2012“ – sehr wohl einiges getan: Das Bewusstsein gegenüber der Erkrankung ist gestiegen und auch in Bezug auf die vorhandenen Medikamente und deren positive Wirkung scheint mir eine deutliche Verbesserung der Situation gegeben. In meinem engeren Wirkungsbereich der Oststeiermark ist die gestufte Versorgung, die dem PHC-Konzept entspricht, gut etabliert.

Prim. Dr. Monika MUSTAK-BLAGUSZ

Die Versorgung in Ballungszentren erscheint mir deutlich besser gegenüber ländlichen Regionen – insbesondere hinsichtlich Reha-Zentren und Rheumatologen. Es gibt Gebiete, in denen im Umkreis von mehr als 60 Kilometern kein Rheumatologe verfügbar ist. Kleine Spezialzentren ergeben daher durchaus Sinn. Regionale Disparitäten müssen abgebaut werden. In Bezug auf die Rehabilitation wird aus meiner Sicht die beruflich orientierte Reha an Bedeutung gewinnen. In der PVA ist man bemüht, den Patienten so lange wie möglich im Erwerbsprozess zu halten und in diesem bei Bedarf auch zu begleiten. Die Erkrankung betrifft aber – entgegen der weitverbreiteten Meinung – nicht nur Pensionisten. In der Reha wird heute weit mehr getan als „Kurübungen“, etwa in Form aktiver Schulungen zu Krankheit und Therapieformen. Bei der Frage nach ambulanter oder stationärer Reha gilt es, im Vorfeld die Erkrankungsphase zu definieren: Frühe Patienten werden kaum eine stationäre Reha brauchen, aber dennoch ausreichend Information zu Erkrankung, Therapie, Medikamenten etc. Obgleich die Zahl an schweren Fällen zurückgegangen ist, wird die rheumatoide Arthritis wohl eine Systemerkrankung bleiben.

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