Zukunftsforum Onkologie: Gemeinsam neue Ziele erreichen

 Von Maximilian Kunz, MAS, MBAl | August 2015 | Periskop Ausgabe 64

Jährlich erkranken in Österreich etwa 38.000 Menschen an Krebs. Nach Herz-Kreislauf-Krankheiten ist Krebs damit die zweithäufigste Todesursache. Prävalenzdaten zeigen, dass es 2012 in Österreich rund 334.000 Patienten mit entsprechenden Krankheitsbildern gab. Die häufigsten bösartigen Neubildungen fallen in den Bereich der Brust, gefolgt von Prostata, Darm und Gebärmutter. Die Inzidenzraten von Krebs sind bis Anfang der
2000er-Jahre gestiegen. Im selben Zeitraum ist die Mortalität um 26 Prozent gesunken. Analog dazu haben sich mit dem medizinischen Fortschritt die Überlebensraten bei den verschiedenen Krebsneubildungen teilweise drastisch verbessert. Dennoch steigt die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung mit zunehmendem Alter an. Aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung gewinnt daher die laufende Optimierung der Versorgung also rasant an Bedeutung – für Patienten und System.

Zukunftsforum Onkologie

Vor diesem Hintergrund wurde auf Initiative von Roche Austria die interdisziplinäre und multiprofessionelle Plattform „Zukunftsforum Onkologie“ ins Leben gerufen. Diese evaluiert nicht nur die bisherige Evolution der heimischen Krebsversorgung, sondern schafft darüber hinaus auch Awareness gegenüber künftigen Herausforderungen und erarbeitet bzw. prüft potenzielle Systemoptimierungsmaßnahmen. Nach intensiver Vorarbeit tagten die Teilnehmer erstmals im April 2014. Im Sinne einer umfassenden Herangehensweise wurden dabei drei Arbeitsausschüsse gebildet, die sich regelmäßig austauschten und ihre Erkenntnisse aus den Blickwinkeln Medizin bzw. Ethik, Gesundheitsökonomie und Struktur einbrachten. Geleitet wurden diese Ausschüsse – mit Univ.-Prof. DDr. Mag. Matthias Beck, Universität Wien, Dr. Thomas Czypionka, Institut für Höhere Studien (IHS), und Dr. Sepp Rieder, ehemaliger Wiener Stadtrat sowie Gründer der Österreichischen Patientenanwaltschaft und des Krankenanstaltenverbunds (KAV) – von ausgewiesenen Experten. Die im Rahmen dieses Prozesses erlangten Erkenntnisse wurden hinsichtlich potenzieller Systemoptimierungsmaßnahmen geprüft und in einem Expertenpapier zusammengefasst.

„Der laufende Fortschritt in Forschung und Entwicklung bedingt eine permanente Anpassungsnotwendigkeit der Prozesse im Gesundheitswesen. Demnach birgt jeder Veränderungsprozess auch ein Chancenpotenzial in sich. Dieses haben wir aufgegriffen und zur Definition von Optimierungsmaßnahmen genutzt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Betonung, wie essenziell bei jedem ,Change-Prozess‘ die Umsetzung der definierten Chancen ist.“ Dr. Thomas Czypionka Head of HealthEcon, Institut für Höhere Studien (IHS), Wien 

Chancenpapier Onkologie

Das Expertenpapier „Sechs Chancen für eine patientenorientierte Krebsversorgung in Österreich“ wurde im August 2015 im Rahmen eines Gipfelgesprächs auf der Schafalm in Alpbach präsentiert. Diese Gelegenheit nutzten die anwesenden Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesundheitssystem auch dazu, Aufgaben und Ziele der Onkologie zu reflektieren und entsprechende weiterführende Strategien zu diskutieren.

„Das vorliegende Chancenpapier zeigt auf relevante und zutreffende Weise die zu bewältigenden Herausforderungen auf. Als eine ganz wesentliche ist hier sicherlich jene der Ressourcenallokation zu nennen. In Österreich bekommt der Patient, unabhängig davon, was er hat und wer er ist, derzeit eigentlich alles, was er braucht. In den USA oder England werden schon jetzt Diskussionen zu den neuen Medikamenten geführt und den Patienten werden diese teilweise verwehrt. Eine derartige Diskussion über den Wert der Therapie wird letztlich auch vor Österreich nicht Halt machen. Ich würde mir hier einen ehrlichen Prozess wünschen, der den Menschen die Möglichkeit bietet, eine vernünftige und ganzheitliche Einschätzung der Situation zu bekommen.“ Ao. Univ.-Prof. Dr. Christian SINGER AKH Wien, Klin. Abteilung für Gynäkologie und gynäkologische Onkologie.

Sechs Chancen für eine patientenorientierte Krebsversorgung in Österreich:

Chance 1: Krebs verstehen
Chance 2: Vorsprung durch Fortschritt
Chance 3: Fokus Mensch
Chance 4: Leben 2.0 – Leben mit und nach dem Krebs
Chance 5: Lebensqualität zählt
Chance 6: Vernetzung hilft

Gipfelgespräch in den Tiroler Alpen

Der Einladung zum Dialog auf der alten Schafalm in Alpbach sind renommierte Experten der einzelnen Fachrichtungen zahlreich nachgekommen. Darüber, dass Österreich im internationalen Vergleich eine Topposition in der onkologischen Versorgung hat, herrschte rasch Einigkeit. Die Ausrichtung des Gesprächs zielte vielmehr auf die Möglichkeiten ab, dieses hohe Qualitätsniveau zu halten bzw. zugunsten der Patienten weiterzuentwickeln. Richtungsweisend für Chancenpapier und Diskussion waren drei zentrale Elemente: Der Patient als Individuum soll im Mittelpunkt stehen, die Ressourcenallokation laufend optimiert und die Forschung stetig weiterentwickelt werden. Das Chancenpapier erntete von allen anwesenden Experten den Zuspruch einer sehr gut gelungenen Arbeitsunterlage. Auf dieser muss nun weiter aufgebaut und die
onkologische Versorgung in Österreich fit für die Zukunft gemacht werden.

„Aus ökonomischer Perspektive sind Schlagwörter wie z. B. Mitarbeitergesundheit essenziell. Zwischen der Vereinbarkeit von Arbeit und Krankheit und dem Anspruch auf Rehabilitation liegt ein Spannungsfeld, das uns intensiv beschäftigt. Hierzulande unterscheiden wir derzeit nur zwischen krank und gesund. In der Mitte liegt jedoch ein weites Feld. Die wünschenswerte Wiedereingliederung nach Krebs bei langen Krankenständen wird auch durch unsere Rechtslage erschwert. Andere Länder sind da schon weiter – so kann in Deutschland stufenweise wieder eingegliedert werden – mit einer schrittweisen Anpassung der Arbeitszeiten. In der Schweiz gibt es z. B. Teilkrankenstände. Von diesen Beispielen müssen wir lernen und versuchen, für Österreich passende Lösungen auf Sozialpartnerebene zu verhandeln.“ Dr. Martin Gleitsmann Wirtschaftskammer Österreich

Wollen auch Sie sich aktiv einbringen?

Aufbauend auf den von den Experten im Chancenpapier definierten Inhalten werden im nächsten Schritt konkrete Maßnahmen entwickelt und umgesetzt. Mit dem Ziel, die Situation im Bereich der onkologischen Versorgung weiter zu entwickeln, wurden die Teilnehmer des Gipfelgesprächs auf der Schafalm sowie die Mitwirkenden des Zukunftsforums Onkologie bereits dazu aufgefordert, Projektvorschläge, die zu einer Optimierung im Sinne des Gesamtprozesses beitragen, einzureichen. So konnten in nur wenigen Wochen schon zahlreiche Ideen gesammelt und den sechs definierten Chancen zugeordnet werden. Nun möchten wir auch Sie dazu auffordern, Ihre diesbezüglichen Optimierungsansätze mit uns zu teilen. Wenn Sie etwas zu diesem wichtigen Prozess beitragen möchten, kontaktieren Sie uns bitte per E-Mail unter: austria.zukunftsforum@roche.com

„Als Vertreter von Roche Österreich bin ich ausgesprochen erfreut über den interdisziplinären Dialog, den wir mit dieser Initiative vorantreiben konnten. Roche steht für 100% Forschung und bei allem was wir tun, steht der Patient im Mittelpunkt - das kommt auch im vorliegenden Chancenpapier zum Ausdruck. Durch die Dialogrunden wurde ein wertvoller Prozess des Lernens gestartet. Die Mitwirkung von hochkarätigen Experten hat diesen Austausch auf hohem Niveau erst möglich gemacht und darüber freue ich mich besonders. In der nächsten Phase geht es darum, einzelne Projekte im Sinne der Patienten umzusetzen.“ Dr. Wolfram Schmidt Roche Austria GmbH

Von der Theorie zur Praxis

Von allen eingelangten Ideen wird das Zukunftsforum Onkologie im Kalenderjahr 2016 konkrete Vorhaben auswählen und deren individuelle Zielsetzung proaktiv weiterverfolgen. Für welche Konzepte man sich entschieden hat, wird im Frühjahr präsentiert. Die konkrete Projektentwicklung soll bereits im April, die aktive Umsetzung bis zum Sommer starten.

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