skip to the content

Rheumatoide Arthritis

  • Grundlagen
  • Erkrankung
  • Therapie
  • Service
 

Was ist RheumaRheumaRheuma ist eine Sammelbezeichnung für Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates (Knochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln) und des Immunsystems, die nicht durch eine Verletz...?

Der Begriff RheumaRheumaRheuma ist eine Sammelbezeichnung für Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates (Knochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln) und des Immunsystems, die nicht durch eine Verletz... fasst alle länger anhaltenden Schmerzen und Funktionsstörungen am Bewegungsapparat (Knochen, Gelenke, Muskeln) zusammen, die nicht durch eine Verletzung oder eine bösartige Veränderung hervorgerufen wurden. Rund 400 Erkrankungen zählen zum rheumatischen Formenkreis.

Welche rheumatischen Erkrankungen gibt es?
Die Einteilung rheumatischer Erkrankungen erfolgt nach den Ursachen.

   

Keine Erkrankung des Älterwerdens
Symptome
Diagnose

Rheumatoide Arthritis – die häufigste entzündliche Rheumaerkrankung

Rheumatoide Arthritis (RA) bzw. chronische Polyarthritis (cP) ist die häufigste Form der entzündlichen rheumatischen Gelenkserkrankung. Sie betrifft vor allem die Gelenke der Extremitäten (Hände, Arme, Füße, Beine) und kann diese deformieren und zerstören. RA kann auch innere Organe wie HerzDas Herz ist ein muskuläres Hohlorgan mit der Aufgabe, durch wechselnde Kontraktion (Systole) und Erschlaffung (Diastole) von Vorhöfen und Kammern den Blutstrom in den Gefä&sz... und Niere, das Nervensystem oder die Augen betreffen.

Die Ursache der rheumatoiden Arthritis ist nach wie vor unklar. Man vermutet, dass genetische Faktoren, aber auch Infektionen und Umwelteinflüsse eine Roche in der Entstehung spielen können. Klar ist, dass es sich dabei um eine AutoimmunerkrankungAutoimmunerkrankung ist in der Medizin ein Überbegriff für Krankheiten, deren Ursache eine überschießende Reaktion des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe ist. handelt. Das bedeutet, dass bestimmte körpereigene Abwehrzellen beginnen, körpereigenes Gewebe anzugreifen. Durch frühzeitige Diagnose und rechtzeitige Behandlung kann man die Erkrankung stoppen - aber nicht heilen.

Keine Erkrankung des Älterwerdens

Rheumatoide Arthritis betrifft weltweit 0,4 bis 2 % der Bevölkerung[1], in Österreich leiden zwischen 50.000 und 80.000 Menschen daran. Betroffen sind alle Altersgruppen und dreimal so viele Frauen wie Männer. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahrzehnt. Kinder können an einer kindlichen Form von RA – der juvenilen idiopathischen Arthritis – erkranken.

Symptome

Bei Auftreten folgender Symptome sollte schnellstmöglich ein Facharzt (Rheumatologe, RheumaRheumaRheuma ist eine Sammelbezeichnung für Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates (Knochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln) und des Immunsystems, die nicht durch eine Verletz...-Ambulanz) aufgesucht werden.

  • uncharakteristische Vorboten wie Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, starkes Schwitzen, erhöhte Temperatur und Abgeschlagenheit
  • Gelenkschmerzen oder -schwellungen, die länger als sechs Wochen anhalten
  • erste Gelenkbeschwerden: Typisch ist der symmetrische Befall der Gelenke - z.B. beide Handgelenke, Fingergrund und -mittelgelenke, später auch größere Gelenke.
  • Schwellung, Überwärmung und Druckscherzhaftigkeit mehrerer Gelenke
  • schmerzhafte Bewegungseinschränkungen
  • Ruheschmerz und Nachtschmerz
  • Besserung der Schmerzen bei Bewegung
  • Morgensteifigkeit (mind. 1 Stunde), die das tägliche Anziehen und Waschen erschweren
  • Symptome verschwinden je nach Schwere und Aktivität der Erkrankung im Laufe des Tages
  • Nach Jahren: Auftreten von Rheumaknoten - derbe Knötchen unter der Haut, oft an der Streckseite der Ellbogengelenke. Gelenkentzündungen können durch Abtasten und genaue Untersuchung der Gelenkfunktion erkannt werden[2].
 

Diagnose

Werden über sechs bis acht Wochen hinweg Gelenkschwellungen und Schmerzen beim Händedruck (Zusammendrücken der Fingergrundgelenke, sog. Gaenslen-Zeichen) beobachtet, ist rheumatoide Arthritis in Betracht zu ziehen. Wichtig ist ein gründliches Gespräch mit dem Rheumatologen.

In die Diagnose fließen folgende Aspekte mit ein:

  • Krankengeschichte
  • körperliche Untersuchung
  • Laboruntersuchung der Entzündungswerte (z.B. C-reaktives Protein, Blutsenkungsgeschwindigkeit) und Antikörper (z.B. Rheumafaktor)
  • Röntgenaufnahmen

Die Laboruntersuchung allein kann keine gesicherte Diagnose liefern. Zu Beginn der rheumatoiden Arthritis sind Entzündungswerte nur bei einem Teil der Patienten erhöht. Umgekehrt kann der Rheumafaktor auch bei Gesunden positiv sein. Die Diagnose einer rheumatischen Erkrankung ist deshalb eine Sammlung verschiedener Informationen und das Zusammensetzen der Befunde zu einem Gesamtbild.

  Zum Seitenanfang

Frühe Diagnose und Behandlung sind das "Um und Auf"
Symptome werden oft bagatellisiert – so gehen viele Betroffene zu spät zum Arzt. Möglichst frühe Diagnose und Behandlung sind aber wichtig, um das Fortschreiten der Gelenkszerstörung zu stoppen und Schäden zu vermeiden. Dauerhafte Schäden der Gelenke können unbehandelt bereits nach den ersten sechs Monaten auftreten[3]. Bereits entstandene Schäden kann auch die beste Therapie nicht mehr rückgängig machen.

Schreitet die Gelenkzerstörung voran, kommt es zum Verlust von Selbstständigkeit bis hin zur Invalidität – alltägliche Dinge können nicht mehr verrichtet werden. Das bedeutet eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Nach zwei Jahren können 20 % der Betroffenen ihren Beruf nicht mehr ausüben, nach zehn Jahren etwa 50 %. Durch die erhöhten Entzündungsparameter haben RA-Patienten ein größeres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch Organe wie Lunge und Niere können erkranken. Die Sterblichkeitsrate ist bei RA-Patienten im Vergleich zu gesunden Menschen deutlich erhöht. Am häufigsten führen Herzkreislauferkrankungen zum Tod der Betroffenen.
   

Referenzen:
[1]Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation:
www.rheuma2000.at/patienteninformation/rheuma/index.php (last accessed: 26.04.2010)
[2]MedMedia (Hg.) (2008): Gesundheitsratgeber RheumaRheumaRheuma ist eine Sammelbezeichnung für Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates (Knochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln) und des Immunsystems, die nicht durch eine Verletz... verstehen.
[3]Fex E, Jonsson K, Johnson U and Eberhardt K. (1996): Development of radiographic damage during the first 5-6 yr of rheumatoid arthritis. A prospective follow-up study of a Swedish cohort. Br J Rheumatol 35: 1106-1115

Zum Seitenanfang

 

Die Basistherapie
Biologika
Operative Therapie
Physiotherapie
Ergotherapie

Ziele der Behandlung

Die Ziele der Behandlung sind

  • die Linderung der Gelenksschmerzen und –schwellungen
  • die Verhinderung der Gelenkzerstörung
  • die Aufrechterhaltung der Lebensqualität
 

Die Basistherapie

Zu Beginn verordnet der Arzt eine geeignete Therapie, um die Gelenkschmerzen und -schwellungen zu behandeln. Meist handelt es sich dabei um ein nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR). Ein NSAR hemmt die Synthese bestimmter Gewebshormone (Prostaglandine) und wirkt so schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend. Oft wird zur raschen Linderung der Schmerzen und Schwellungen, die im Rahmen der Entzündungen der Gelenke auftreten, auch ein Kortikosteroid (Cortison) eingesetzt. Cortison hemmt zentrale Moleküle im Körper, die für die Entstehung einer Entzündung verantwortlich sind.

Traditionelle Basistherapeutika (Disease Modifying Antirheumatic Drugs, kurz DMARDs), werden sofort nach der Diagnosestellung verordnet. Sie sollen in das Krankheitsgeschehen eingreifen und die fehlgesteuerte Immunfunktion beeinflussen. Der genaue Wirkmechanismus ist bei den meisten traditionellen Basistherapeutika nicht bekannt. Alle wirken entzündungshemmend und unterdrücken das fehlgesteuerte Immunsystem. Zur Gruppe der Basistherapeutika zählen z.B. Methotrexat, Sulfasalazin, Chloroquin, Leflunomid oder Azathioprin.

Zum Seitenanfang

Biologika

Seit einigen Jahren kamen neuartige Medikamente, sogenannte Biologika, zum Einsatz. Sie hemmen gezielt bestimmte Zellen des Immunsystems (sogenannte B-Zellen oder B-Lymphozyten) oder entzündungsfördernde Botenstoffe (z.B. IL-6, TNF alpha, IL-1). So können sie das Fortschreiten der Entzündung und der Gelenkzerstörung aufhalten und die Lebensqualität steigern. Je früher eine entsprechende Therapie begonnen wird, umso größer sind die Erfolgsaussichten.

Patienten profitieren von besserer Verträglichkeit und Wirksamkeit. Das wirkt sich meist positiv auf die Therapietreue und damit auch auf den Behandlungserfolg aus. Spitalsaufenthalte können eingespart werden. Krankenstandsfälle oder Frühpensionen können reduziert oder zeitlich verschoben werden. Die Lebensqualität und die Einkommenssituation der Patienten werden somit eindeutig verbessert. (Quelle: E.Walter, date on file 2008).

Wie alle Medikamente haben diese Biologika ihren Nutzen, aber auch Risiken. Im Folgenden finden sich Informationen zu Therapien eingegangen, die B-Zellen und IL-6 als Ziel haben.

Die Rolle der B-Zellen in der rheumatoiden Arthritis
Die B-Zellen des Immunsystems spielen eine entscheidende Rolle in der rheumatoiden Arthritis. Verschiedene Mechanismen der B-Zellen sind an der Entstehung und der Aufrechterhaltung der rheumatoiden Arthritis beteiligt. Sie produzieren z.B. den Auto-Antikörper "Rheumafaktor", der bei jeder rheumatologischen Laboruntersuchung erhoben wird.

Seit 2006 gibt es ein Medikament, das genau hier ansetzt. Der Antikörper, bindet an bestimmte B-Zellen und führt so zum Abbau dieser Zellen. Dadurch werden Krankheitssymptome reduziert und die Gelenkzerstörung aufgehalten[4][5].

Nebenwirkungen:
Dieser Antikörper ist allgemein ein sehr gut verträgliches Medikament. Bei der Mehrzahl der Patienten ruft es keine oder nur sehr geringe Nebenwirkungen. Die häufigsten Nebenwirkungen wie Fieber und Schüttelfrost treten während der Infusion auf. Übelkeit, Schwäche oder Kopfschmerzen werden weniger häufig beschriebenen. Durch entsprechende Begleitmedikamente können diese unerwünschten Wirkungen weitgehend vermieden werden. Bei der ersten Infusion können milde oder mäßig ausgeprägte Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten. Sie werden bei der zweiten und bei späteren Infusionen aber wesentlich seltener beobachtet. Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. 

Die Rolle von Interleukin 6 (IL-6) in der rheumatoiden Arthritis
Interleukin-6 (IL-6) ist ein Botenstoff (Zytokin), der Entzündungsreaktionen des Körpers regelt. IL-6 wird z.B. von Muskelgewebe (bei Muskelkater) oder Fresszellen (Makrophagen) gebildet. Studien haben gezeigt, dass sich bei RA-Patienten zu große Mengen von IL-6 und IL-6-Rezeptoren (IL-6R) in den Gelenken bilden – vor allem in der Gelenkinnenhaut[6]. Diese Überproduktion löst eine Autoimmunreaktion[7][8] aus, die zu Entzündungen führt. Bei RA (= "Dauerentzündung") ist der IL-6 Wert permanent erhöht.

Mit Jänner 2009 wurde in Europa der erste IL-6 Rezeptor-Hemmer zugelassen. Das Medikament bindet an den IL-6 Rezeptor und verhindert somit die negativen Auswirkungen von IL-6.

Nebenwirkungen:
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Infektionen der oberen AtemwegeAtemwege Die oberen Abschnitte der Atemwege umfassen die Nasenhöhle mit ihren Nebenhöhlen und den Rachen, wo sich der Luftweg mit dem Nahrungsweg kreuzt. Die unteren Atemwege begin..., Kopfschmerzen, vorübergehende Erhöhung des Blutdrucks, Ausschlag und Schwindel[9].

Vor Behandlungsbeginn müssen Patienten auf eine latente Tuberkulose untersucht werden. Auch Infektionen und Magen-und Darmschmerzen sollten abgeklärt werden[9]. Das wird auch für andere biologische Therapien der rheumatoiden Arthritis empfohlen.

Operative Therapie

Manchmal sind die Gelenke so stark beschädigt, dass ein Gelenk-Ersatz oder Korrekturoperationen notwendig werden.

Zum Seitenanfang

Physiotherapie

Die Physiotherapie nimmt in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis einen großen Stellenwert ein. Sie hilft, die Beweglichkeit zu verbessern, Schmerzen zu lindern, aber auch Fehlstellungen zu vermeiden oder zu korrigieren. Besonders wichtig sind Ausdauertraining, Bewegungstherapie und Krankengymnastik. Dabei ist die aktive Mitarbeit des Patienten besonders gefordert.

Auch passive Anwendungen der physikalischen Therapie wie Wärme- und Kältebehandlungen, Massagen oder Elektrotherapie können helfen.

Ergotherapie

Gelenkschmerzen, –schwellungen und -zerstörungen können körperliche Fähigkeiten und Funktionen beeinträchtigen. Die Ergotherapie hat die Aufgabe, Patienten durch Verbesserung, Wiederherstellung oder Kompensation dieser eingeschränkten Fähigkeiten möglichst selbstständig zu machen.

Neben Übungen wie Gelenkschutztraining kommen im Alltag Hilfsmittel zum Einsatz:

  • Ergonomische Messer z.B. mit abgewinkeltem Griff für eine bessere Kraftübertragung beim Schneiden
  • Scheren, die eine Feder haben und sich von selbst wieder öffnen
  • Zangen, die sich wieder öffnen, um kleine Laschen bei Verpackungen zu öffnen
  • Wäschekluppen, die nicht zusammengedrückt sondern nur gesteckt werden müssen
  • Winkelgriffe, die bei Staubsauger, Besen, etc. angebracht werden und dadurch das Greifen erleichtern
  • Flaschenöffner mit Hebelwirkung
  • „Knöpfler“ zum erleichterten Schließen von Knöpfen z.B. an Kleidungsstücken
  • "Sockomat“ zum erleichterten Anziehen von Socken und Kniestrümpfen
 

Referenzen:
[4]Cohen SB et al. Rituximab for Rheumatoid Arthritis Refractory to Anti-Tumor Necrosis Factor Therapy. Arthritis Rheum 2006;54:2793-2806.
[5]Cohen SB et al. Continued Inhibition of Structural Damage in Rheumatoid Arthritis Patients Treated with Rituximab at 2 Years: REFLEX-Study. Arthritis & Rheum 2008;58/9(Suppl):368.
[6]dünne Gewebsschicht, die den Gelenkzwischenraum auskleidet
[7]Andrews NC (2004): Anemia of inflammation: the cytokine-hepcidin link. In: Clin Invest 9: 1251-53
[8](krankhafte) Reaktion des Immunsystems auf körpereigenes Gewebe 
[9]Fachinformation Tocilizumab, Stand Dezember 2010

 Zum Seitenanfang

Selbsthilfegruppen

Österreichische Rheumaliga (ÖRL)
Dorfstraße 4
5761 Maria Alm
Präsidentin: Gertraud Schaffer
Tel.: 0699/155 41 679
E-mail: info@rheumaliga.at
www.rheumaliga.at
 

Help 4 you company
Zentagasse 11/6/26
1050 Wien
Ansprechpartner: Frau Sabine Waste
Tel.: 0664/280 35 35
E-mail: info@help4youcompany.at
http://www.help4youcompany.at/

 

RheumaRheumaRheuma ist eine Sammelbezeichnung für Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates (Knochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln) und des Immunsystems, die nicht durch eine Verletz... Hilfe Österreich
Infopoint RheumaRheumaRheuma ist eine Sammelbezeichnung für Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates (Knochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln) und des Immunsystems, die nicht durch eine Verletz... - jeden 3. Donnerstag im Monat
Präsidentin: Christine Schnaubelt
Tel.: 01/ 315 23 45
13.00 Uhr bis 16.00 Uhr
WGKK Kundencenter Leopoldstadt, Lasallestraße 9B, 1020 Wien
Weitere Informationen zum Infopoint Rheuma


Wichtige Informationen über Behörden und Begünstigungen für betroffene Patienten

Eine chronische Erkrankung wie die rheumatoide Arthritis kann unter Umständen zu einer Einschränkung in der Bewegung des Patienten führen. Patienten, die mit dieser Einschränkung leben müssen, oft eine Reihe von Begünstigungen in Anspruch nehmen. Einige Beispiele:

Behindertenpass
Der Behindertenpass ist ein amtlicher Lichtbildausweis, der als Nachweis einer Behinderung dient und für den Inhaber Vorteile wie Preisermäßigungen, Sondertarife und Steuerbegünstigungen bringt. Um einen Behindertenpass zu erhalten, muss der Grad der Behinderung mindestens 50 Prozent betragen.

Der Grad der Behinderung wird durch einen Arzt in der zuständigen Landesstelle des Bundessozialamtes aufgrund bereits vorhandener Krankenbefunde oder einer ärztlichen Untersuchung festgestellt. Das Bundessozialamt ist auch für die Ausstellung des Behindertenpasses verantwortlich.

Steuern und Behinderung
In der jährlichen Arbeitnehmerveranlagung können eine Pauschale für Körperbehinderung und außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden - abhängig vom Grad der Behinderung. Als außergewöhnliche Belastungen gelten Aufwendungen, die durch die Behinderung entstehen und beispielsweise nicht regelmäßig für Hilfsmittel oder Kosten der Behandlung anfallen. Der Grad der Behinderung muss mindestens 25 Prozent betragen.

Weiters kann eine Pauschale für ein Kraftfahrzeug wegen Behinderung geltend gemacht werden.
Nähere Informationen sind beim jeweiligen Wohnsitzfinanzamt erhältlich. 

Ausweis für gehbehinderte Personen gemäß §29b StVO 1960
Den Ausweis für gehbehinderte Personen erhalten nur jene Personen, die dauerhaft stark in ihrer Gehfähigkeit eingeschränkt sind. Er berechtigt beispielsweise zum Parken auf Behindertenparkplätzen und zu zeitlich unbegrenztem und gebührenfreiem Parken in Kurzparkzonen. Ein Amtsarzt stellt fest, inwieweit die Gehfähigkeit eingeschränkt ist und ob der Ausweis genehmigt wird. Zuständige Behörden sind in Wien die Magistratsabteilung 15, in den Bundesländern die Bezirkshauptmannschaften sowie in den Statutarstädten das Magistrat.
Der Ausweis für gehbehinderte Personen gemäß §29b StVO 1960 gilt als Nachweis für

• die Befreiung von der motorbezogenen Versicherungssteuer
Behinderte Menschen können sich von der motorbezogenen Versicherungssteuer bzw. der Kraftfahrzeugsteuer befreien lassen. Das Fahrzeug muss auf die behinderte Person zugelassen sein und darf vorwiegend zum persönlichen Gebrauch des Zulassungsinhabers verwendet werden. Nähere Informationen erhält man beim Versicherungsunternehmen für die motorbezogene Versicherungssteuer bzw. beim Wohnsitzfinanzamt für die Kraftfahrzeugsteuer.

• das Ansuchen um finanzielle Unterstützungen für die Adaptierungen von Kraftfahrzeugen
Personen mit einer Behinderung können bei einem Neukauf oder einer behindertengerechten Adaptierung eines Autos um eine Beihilfe (Zuschuss oder zinsenloses Darlehen) ansuchen. Informationen über die notwendigen Voraussetzungen erhält man bei der zuständigen Landesstelle des Bundessozialamtes bzw. beim Sozialversicherungsträger.

• die Rückvergütung der Normverbrauchsabgabe (NOVA)
Beim Kauf eines Neuwagens wird behinderten Personen die Normverbrauchsabgabe bis zu einer bestimmten Höhe des Kaufpreises von der zuständigen Landesstelle des Bundessozialamtes rückerstattet. Sollten behinderungsbedingte und NOVA-pflichtige Umbauten notwendig sein, so wird die Höhe des Kaufpreises um diesen Betrag angehoben und bei der Rückvergütung berücksichtigt.

• das Ansuchen auf einen Behindertenparkplatz
Stark gehbehinderte Personen können ihr Auto auf Behindertenparkplätzen abstellen. Dieser Parkplatz wird mit einem Halte- und Parkverbotsschild und einem Zusatzschild mit Behindertensymbol gekennzeichnet. Er darf nur von Inhabern des Ausweises für gehbehinderte Personen nach § 29b StVO benützt werden. Zusätzlich können diese Personen in unmittelbarer Nähe ihres Arbeitsplatzes bzw. ihres Wohnsitzes, einen Behindertenparkplatz, der nur für ihr Auto bestimmt ist, bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft bzw. bei der Magistratsabteilung 46 in Wien beantragen.

Eurokey
Der Eurokey ist ein Schlüssel, mit dem man auf Autobahnparkplätzen weitgehend in ganz Europa die Toiletten für behinderte Personen aufsperren kann. Inhaber des Ausweises für gehbehinderte Personen nach §29b StVO können den Eurokey bei der Österreichischen Arbeitsgesellschaft für Rehabilitation beantragen und die meist wesentlich gepflegteren und behindertengerechten Toiletten benützen.

Pflegegeld
Personen, die aufgrund ihrer Erkrankung Unterstützung und Hilfe von anderen Personen benötigen, können Pflegegeld beantragen. Pflegegeld erhält man, wenn man aufgrund seiner Behinderung durchgehend mindestens sechs Monate Hilfe und Betreuung in Anspruch nehmen muss und diese mehr als 50 Stunden im Monat beträgt. Die Höhe des Pflegegelds wird abhängig vom Ausmaß des erforderlichen Pflegebedarfs in sieben Stufen festgesetzt. Weitere detaillierte Informationen zum Thema Pflegegeld erhält man beispielsweise im Internet unter www.help.gv.at.

Rundfunkgebührenbefreiung und Zuschussleistung zu Fernsprechentgelten
Bezieher von Pflegegeld können auch die Befreiung von der Entrichtung der Rundfunkgebühren beim Gebühren Info Services (GIS) bzw. eine Zuschussleistung zu Fernsprechentgelten beantragen. Die notwendigen Voraussetzungen dafür findet man auf der Homepage des GIS www.orf-gis.at.

Weitere Informationen zu Begünstigungen für Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, finden Sie u.a. auf folgenden Internetseiten:
www.basb.bmsg.gv.at
www.help.gv.at

 
 

Letzte Aktualisierung: März 2011

     


www.focuspatient.at/Checked 2011

Überall dort, wo Sie dieses Gütesiegel für Patienteninformation sehen, wurde der Inhalt nach zertifizierten Qualitätskriterien durch unabhängige medizinische Laien geprüft.