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Blutgerinnung

Patientenselbstkontrolle und -Selbstmangement in der Blutgerinnung

Patienten HotLine: 01 - 27778 - 455 jeweils Montag bis Donnerstag 8 bis 17 Uhr, Freitag 8 bis 14 Uhr

 

Ein hochkomplexes System in unserem Körper sorgt dafür, dass wir nicht bereits an kleinsten Wunden verbluten. Um das zu verhindern, besitzt unser Organismus ein ausgeklügeltes System von Gerinnungsfaktoren: Bestimmte Faktoren verstärken die Blutgerinnung, andere hemmen sie, andere wiederum lösen bereits gebildete Blutgerinnsel wieder auf. Das perfekte Zusammenspiel aller Faktoren sorgt für den ungestörten Ablauf der Blutgerinnung.

Bei einer Reihe von Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt, Vorhofflimmern, tiefen Venenthrombosen, Lungenembolien oder bei Patienten mit mechanischen Herzklappenprothesen muss die Blutgerinnung mit Hilfe von Medikamenten verzögert werden. Diese Patienten werden im Regelfall antikoaguliert, viele von ihnen lebenslang. Das heißt, dass sie Medikamente einnehmen, die die Blutgerinnung verändern (z.B. Marcoumar®). Die Blutgerinnung muss in diesem Fall regelmäßig kontrolliert werden. Das Ausmaß der gerinnungshemmenden Wirkung dieser die Blutgerinnung verändernden Medikamente (Mediziner sprechen von "oralen Antikoagulanzien") gehört genau überwacht und eingestellt.

Zu geringe Antikoagulation setzt den Patienten der Gefahr von Blutgerinnseln (Thromboembolie) aus, während zu hohe Antikoagulation Blutungen hervorrufen kann, angefangen von relativ harmlosem Nasenbluten bis zu schweren inneren Blutungen. Die Wirksamkeit einer sogenannten "Antikoagulanzientherapie" hängt daher in erster Linie von der Anzahl und der Qualität der Kontrollen der Blutgerinung ab.

Es gibt eine Reihe von Gerinnungstests wie z.B. den Quicktest oder die partielle Thromboplastinzeit; das Ergebnis wird meistens in INR (Internationale normalisierte Ratio) oder Quick% angegeben. Diese Tests können entweder im Labor, vom Hausarzt oder nach eingehender Schulung auch vom Patienten selbst durchgeführt werden. Normalerweise wird unter Antikoagulanzientherapie die Blutgerinnung einmal pro Woche kontrolliert.

Der erste Kontakt mit der Einstellung der oralen Antikoagulation findet üblicherweise in der Klinik oder in einem Rehabilitationszentrum statt, kann aber natürlich auch beim betreuenden Hausarzt oder Internisten erfolgen. Nach erfolgreicher Ersteinstellung der Medikation und einer gründlichen Einschulung kann der Patient dann - so wie bei Diabetes - die notwendigen Messungen zur Kontrolle der Blutgerinnung selbst durchführen. Die Messung funktioniert auch so ähnlich wie die Blutzuckerkontrolle.

Patientenselbstkontrolle und Patientenselbstmanagement ist in Österreich auch in der Gerinnung kein Fremdwort mehr. In Österreich messen bereits etwa 2000 Patienten (in Deutschland mehr als 100.000) ihre INR selbst. Voraussetzung war und ist ein Patient, der gut geschult wird und über die Hintergründe seiner Erkrankung aufgeklärt ist, und natürlich auch ein einfaches, leicht zu bedienendes Gerät zur Selbstmessung.

Auskünfte, ob sie Anspruch auf einen Gerinnungsmonitor haben, erhalten Sie bei Ihrer Krankenkasse. Voraussetzung ist in jedem Fall die lebenslange Antikoagulation.