Blutarmut
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Blutarmut (Anämie) bei Niereninsuffizienz
Eine Niereninsuffizienz (Verlust der Nierenfunktion) beschreibt die ungenügende Leistung der Niere, ihre Aufgaben zu erfüllen. Das bedeutet, dass die Niere unter anderem nicht mehr in der Lage ist, Erythropoietin in ausreichender Menge zu produzieren. Daher entwickeln PatientInnen die unter einer Niereninsuffizienz leiden sehr häufig eine Anämie. Eine „renale Anämie“ bezeichnet also den Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) infolge einer chronischen Niereninsuffizienz. Für die Diagnosestellung werden bestimmte Parameter, die Auskunft über die Erythrozyten geben, ermittelt. Das sind der so genannte Hämatokrit und der Hämoglobinwert des Blutes. Der Hämatokrit (Hkt) ist der Anteil der Zellen (das sind in erster Linie Erythrozyten) am Gesamtblutvolumen. Der Normalwert liegt bei ca. 40-50 Volumen-Prozent.
Hämoglobin (Hb) ist der rote Blutfarbstoff in den Erythrozyten. Das Hb ist für den Sauerstoff-Transport wichtig: Es bindet den Sauerstoff auf dem Weg des Erythrozyten durch die Lunge und gibt ihn dann z. B. im Muskel wieder ab. Das Hb regelt außerdem den pH-Wert. Die normalen Hb-Werte liegen zwischen 12 und 18 g/dl (Gramm pro Deziliter).
Auch bei einem gesunden Menschen müssen ständig rote Blutkörperchen gebildet werden. Der Grund liegt in der kurzen Überlebenszeit der roten Blutkörperchen: Nach nur etwa 3 Monaten baut der Körper sie selbst ab.
Die Bildung der Erythrozyten erfolgt durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Es müssen Vorläuferzellen vorhanden sein. Auf diese wirken dann andere Faktoren, wie das in der Niere gebildete Hormon Erythropoietin (EPO). Außerdem muss ausreichend Eisen für die Bildung des Hämoglobins vorhanden sein.
Blutarmut (Anämie) bei Niereninsuffizienz
Von einer Anämie spricht man in der Regel, wenn der Hb-Wert unter 12 g/dl liegt. Kommt es zu einem akuten Blutverlust z. B. bei einem Unfall, wird in der Niere vermehrt Erythropoietin (EPO) gebildet. Durch die Erhöhung werden jetzt vermehrt aus Zellvorstufen rote Blutkörperchen gebildet. Die Erhöhung steht in einem bestimmten Verhältnis zum Blutverlust.
Wird durch eine chronische Störung der Nierenfunktion im Verhältnis zum Ausmaß der Anämie das Erythropoietin nicht ausreichend gebildet, fehlt der regulierende Faktor zur Blutbildung: Es werden zu wenig rote Blutzellen gebildet, die Zahl der Erythrozyten nimmt ab. Man spricht dann von einem relativen Mangel an EPO. Es entstehen daraus negative Folgen für den Organismus. Bei einer Niereninsuffizienz werden die roten Blutkörperchen durch die Anreicherung an Stoffwechselgiften geschädigt und schneller als normal abgebaut. Die Urämie führt auch zu Blutungen z. B. im Magen-Darm-Bereich, die zur Blutarmut beitragen.
Die Funktion des Erythropoietins (EPO) bei der Blutbildung. EPO wird in der Niere gebildet und fördert die Synthese der roten Blutkörperchen (Erythrozyten)
Blutarmut (Anämie) bei Niereninsuffizienz
Wie stellt mein Arzt fest, dass ich unter Anämie leide?
Was kann mein Arzt gegen die Anämie machen?
Allgemeine Informationen zur Dialyse ("Blutwäsche")
Wie stellt mein Arzt fest, dass ich unter Anämie leide?
Mit einer Blutuntersuchung im Labor. Dort wird der wichtigste Laborwert zur Feststellung einer Anämie, der Hämoglobinwert (Hb – Wert) bestimmt. Der Hb Wert eines Gesunden liegt bei einer Frau zwischen 12 – 16 g/dl (Gramm pro Deziliter) und der eines Mannes zwischen 14 – 18g/dl. Bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung sollte der Hb – Wert höher als 10g/dl sein. Liegt er darunter können die PatientInnen eine Therapie mit einer Erythropoese stimulierenden Substanz erhalten
Was kann mein Arzt gegen die Anämie machen?
Durch die Gabe von Erythrozytenkonzentraten mittels Bluttransfusion kann geholfen werden. Der Vorteil von Bluttransfusionen ist, dass insbesondere schwere Anämien rasch behandelt werden können. Leider hält dieser Effekt aber nur relativ kurze Zeit an, da Erythrozyten nur eine relativ kurze Lebenszeit haben. Transfusionen sind jedoch nicht ohne Risiko. Es können verschiedene Infektionen übertragen, die körpereigene Abwehr kann geschwächt, die köpereigene Erythropoietinbildung gehemmt werden. Allergische Reaktionen können auftreten. Eine wirkungsvolle und verträgliche Alternative dazu ist die Verabreichung von Erythropoietin, einem blutbildenden Hormon. Es regt die körpereigene Bildung von roten Blutkörperchen an und ist sehr gut verträglich. Neben der Gabe von Eisen zur Hämoglobin-Synthese wird mit Erfolg eine Erythropoese stimulierende Substanz eingesetzt. Es entspricht im Aufbau und in der Zusammensetzung dem natürlichen EPO. Da die Erythrozytenzahl bereits nach 2 – 4 Wochen deutlich ansteigt, fühlen die PatientInnen eine deutliche und vor allem rasche Besserung der Anämiesymptome. Durch die Steigerung des Gehaltes an roten Blutkörperchen im Blut (Hb-Wert) wird wieder mehr Sauerstoff im Körper transportiert.
Was passiert, wenn eine Anämie nicht behandelt wird
Bei einer Anämie kommt es zum Mangel an Sauerstoff in den Geweben, da das Blut nicht mehr genügend Sauerstoff transportieren kann. Somit werden z.B. Muskelzellen oder das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Die Folge sind Schwindel, Müdigkeit und deutliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Des weiteren kommt es zu Schäden weiterer Organe. So versucht z.B. das Herz den Sauerstoffmangel durch eine erhöhte Pumpleistung auszugleichen, was v.a. in der linken Herzkammer (von hier wird das Blut durch den Körper gepumpt) zu einer Verdickung (linksventrikuläre Hypertrophie) und in weiterer Folge zur „Ausleierung" bzw. Erweiterung (Dilatation) der Herzmuskulatur führt. Es kommt zum Verlust der Herzfunktion (Herzinsuffizienz).
Was sind die Risiken einer Hämodialyse-Behandlung:
Die Dialysebehandlung ist lebensnotwendig. Trotzdem gibt es Risiken, die mit einer Dialysebehandlung verbunden sind. Es kann z.B. zu Problemen im Venenzugang (Shunt) kommen. Des weiteren kann es bei übermäßiger Flüssigkeitszufuhr zu Überwässerung und einem Lungenödem kommen. Bei Nicheinhaltung einer kalium- und phosphatarmen Diät können Knochen, Herz und Blutgefäße geschädigt werden.
Was sind die Risiken einer Peritonealdialyse-Behandlung:
Über den Katheter können Krnakheitserreger in den Bauchraum gelangen und eine Entzündung des Bauchfells verursachen.
Tipps für den Alltag
Die Behandlung einer Anämie gehört natürlich in die Hände eines Arztes; Sie selbst können aber auch einiges dazu tun um besser mit der Erschöpfung fertig zu werden:
Ruhe
Mehrere kurze Ruhe – und Entspannungsphasen in Ihren Alltag einzubauen ist sinnvoll. Zuviel Ruhe oder Schlaf mindert jedoch Ihre Energie. Bei eventuell auftretenden Schlafstörungen sprechen Sie bitte mit dem behandelnden Arzt.
Aktivität
Finden Sie mit Hilfe eines genau geführten Tagebuches heraus, zu welcher Zeit Sie belastbarer sind, so können Sie Ihre täglichen Aufgaben besser einteilen. Tun Sie nur das, was Sie wirklich tun müssen und können. Sofern Ihr Arzt es befürwortet bleiben Sie in Bewegung.
Ernährung
Ihr Arzt hat Ihnen eine genau auf Sie abgestimmte Diät verordnet – halten Sie diese unbedingt ein.
Kraft einteilen
Setzten Sie Prioritäten. Reservieren Sie Ihre Kraft für Dinge die Ihnen wirklich wichtig sind und die Ihnen auch Freude bereiten. Nehmen Sie Hilfe von Familie, Freunden, Bekannten oder Pflegekräften ruhig an, haben Sie kein schlechtes Gewissen dabei.
Kraft finden
Üben Sie Hobbys aus die weniger anstrengend sind wie z.B. Lesen, Musik hören oder Handarbeiten. Nehmen Sie sich Zeit für die Dinge die Ihnen wirklich Freude bereiten. Treffen Sie Freunde und Bekannte – ziehen Sie sich nicht zurück. Nehmen Sie an Treffen der Selbsthilfegruppe teil.
Allgemeine Informationen zur Dialyse ("Blutwäsche")
Die Dialyse kann heutzutage langfristig die Lebensqualität der Patienten verbessern. Je schneller die Erkrankung fortschreitet, umso schneller sollte mit dieser Behandlung begonnen werden.
Auch hier möchten wir Ihnen die Verfahren vorstellen und Hintergrund-Informationen liefern.
Die Dialyse – oft auch als "künstliche Niere" bezeichnet – übernimmt die wichtigste Aufgabe der Nieren: das Herausfiltern von giftigen Substanzen aus dem Blut. Die Zahl der Dialyse-Patienten nimmt stetig zu: 2006 lag die Zahl der Dialyse-Patienten in Österreich bei knapp 4.000 Betroffenen.

Quelle: Österreichisches Dialyse und Transplantationsregister
Anteil von Patienten mit einer Hämo- bzw. Peritonealdialyse in Österreich
PD = Peritonealdialyse
HD = Hämodialyse
Die gesunde Niere filtert 24 Stunden am Tag. Die Dialyse muss dieses Arbeitspensum an nur etwa drei halben Tagen in der Woche leisten. Deshalb können in dieser Zeit nicht alle Stoffe entfernt werden, so dass neben der Dialyse auch die Ernährung umgestellt und auf die Flüssigkeitsaufnahme geachtet werden muss.
Dialyse ist ein physikalisches Verfahren, um in wässriger Flüssigkeit gelöste Teilchen zu trennen. Dies geschieht zwischen zwei Flüssigkeitsräumen: auf der einen Seite das Blut, auf der anderen das so genannte Dialysat. Mit Hilfe einer halbdurchlässigen (semipermeablen) Membran und der Dialysierflüssigkeit wird der Austausch und damit die "Entgiftung" bestimmter Stoffe mit bestimmter Größe aus dem Blut möglich. Die Membran übernimmt die Filterfunktion des Glomerulus der gesunden Niere.
Der Patient hat die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Dialyseverfahren: die Hämodialyse (HD) und die Peritonealdialyse (PD). Es gibt viele Vergleiche zwischen diesen Verfahren und es lassen sich Vorteile für beide finden. Wenn genügend Zeit im Vorfeld zur Verfügung steht, trifft der Nephrologe (der auf Nierenerkrankungen spezialisierte Arzt) gemeinsam mit dem Patienten und dessen Angehörigen die Entscheidung über den Beginn und die Auswahl des Verfahrens. In Österreich dominiert die Anzahl der HD-Patienten mit 94%, die der PD-Patienten beträgt nur 5% (Österreichisches Dialyse und Transplantationsregister 2006).
Die Vorteile einer HD:
- Eignet sich für alle Patienten
- Patient i.d.R. 3 x/Woche an der Dialyse und vom Arzt betreut. Behandlung überwacht
- Gute „Entgiftung" des Patienten
Die Vorteile einer PD:
- Zeitliche und räumliche Unabhängigkeit vom Dialysezentrum und relativ große Selbstständigkeit in der Behandlung
- Therapiezeiten können dem eigenen Tagesablauf angepasst werden
Beeinflussung der Lebensqualität durch eine Dialysetherapie:
Eine Dialysetherapie ist überlebensnotwendig. Eine Einschränkung der Lebensqualität vor allem in Bezug auf eine freie Zeiteinteilung ist damit jedoch verbunden. Der Patient muss 3x/Woche für 4-5 Stunden zur Dialyse. Auch müssen Einschränkungen hinsichtlich der Trinkmenge eingehalten werden. Dazu kommt meist noch eine kalium- und phosphatarme Diät.
Für Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz ist die Transplantation einer gespendeten Niere die einzige Möglichkeit, wieder ohne die Dialyse zu leben. Welche Probleme und Voraussetzungen damit verbunden sind, finden Sie unter dem Stichwort "Transplantation".
Blutarmut (Anämie) bei Niereninsuffizienz
Persönliche Erfahrungen im Umgang mit der Kranheit
Links zu Selbsthilfegruppen nierentransplantierter Patienten
Persönliche Erfahrungen im Umgang mit der Kranheit:
Lesen Sie die Erfahrungen einer jungen, plötzlich dialysepflichtigen Patientin unter www.nieren-krank.de.
Links zu Selbsthilfegruppen nierentransplantierter Patienten:
Wien/Niederösterreich/Burgenland
Gesellschaft Nierentransplantierter und Dialysepatienten Österreichs
Landesgruppe Wien, Niederösterreich und Burgenland
Kontakt: Horst Achatz
1160 Wien, Neulerchenfelderstr. 10/1/3/17
Tel. (01) 408 38 18, Fax (01) 408 38 18
in dringenden Fällen: 0664/ 362 21 15
E-mail: gndoe-wnb@teleweb.at
Selbsthilfegruppe für CAPD (Bauchdialyse)
Kontakt: Edith Kettner
1140 Wien, Funkhgasse 2/2/11
Tel. Fax (01) 911 74 77
Verein für Kinderdialyse und Nierenkranke Kinder
Kontakt: Roswitha Baumgartner
2511 Pfaffstätten, Feldgasse 22
Tel. 0650 / 34 53 662
ARGE Niere Österreich (ANÖ)
Arbeitsgemeinschaft der Selbsthilfegruppen der Nierenpatienten Österreichs
Kontakt: Gerold Schackl
8046 Graz, Dennigweg 7
Tel.: 0316/ 692817
E-Mail: gerold.schackl1@tele2.at oder argeniereoesterreich@gmx.net
www.argeniere.at
Oberösterreich
Vereinigung der Dialyse-Patienten und Nierentransplantierten OV.
Obmann: Rudolf Brettbacher
4222 St. Georgen/ Gusen, Wohnpark 3/1
Tel.: 07237/ 4096
E-Mail: rudolf.brettbacher@24speed.at bzw. diaplant@utanet.at
www.diaplant.com
Salzburg
SFN, Selbsthilfegruppe für Dialyse und transplantierte Nierenpatienten
Kontakt: Margreth Resinger
A-5325 Plainfeld, Lacknerwinkl 137
Tel.: 06229/ 2582
E-Mail: resinger.sfn-sbg@aon.at
Tirol
Verein Nephro Tirol
Selbsthilfeverein für Dialysepatienten und Nierentransplantierte
Kontakt: Egon Saurer (Obmann)
A-6020 Innsbruck, Innrain 43
Tel.: 0664/ 509 99 28
E-Mail: nephrotirol@gmx.at
www.nephrotirol.at
Vorarlberg
Interessengemeinschaft der Dialysepatienten und
Nierentransplantierten Vorarlbergs
Kontakt: Erich Längle (Obmann)
A-6830 Rankweil, Hörnlingerstr.13
Tel.: 05522/ 46 627
E-Mail: erich.laengle@vol.at
Steiermark
Erste steirische Interessengemeinschaft der
Dialysepatienten und Nierentransplantierten
Kontakt: Rolf Klinger (Obmann)
A-8020 Graz, Koschatgasse 17/2/16
Tel.: 0664/ 344 20 71
E-Mail: helga.klinger@chello.at
www.ig-dialyse-transplant-stmk.at
Kärnten
Interessengemeinschaft der Dialysepatienten und Nierentransplantierten Kärntens
Kontakt: Ing. Gernot Waste (Obmann)
A-9026 Klagenfurt, Strauchgasse 11
Tel.: 0650/ 692 28 48
E-Mail: dial.ktn@utanet.at
www.nierektn.at
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